Menschen machen den Unterschied

Gestalten oder Verwalten? Die ewige Frage im Kleinen wie im Großen. Wieviel Bestand ist erforderlich, wieviel Erneuerung zuträglich?

Mit der folgenden Geschichte möchte ich ein Beispiel aus dem privaten Bereich liefern.
Diesmal nicht aus der Perspektive des Mitgestalters, sondern mit der Brille des reinen Nutzers.
Die Sichtweise des Unternehmers kann ich aber nicht ganz abstreifen.

Unternehmer sein heißt das zu tun, was erforderlich ist, um Wohlstand zu erschaffen.
Man braucht kein Unternehmen dazu.
Auch die Rolle des Kunden und Familienvaters bieten genug Möglichkeiten, um Wohlstand und Zufriedenheit zu erschaffen.

/Hintergründe

Im Winter fahren wir nach Altenberg. Am dortigen Hang lernen unsere Kinder Skifahren. Zauberteppich, Schlepplift … immer ein Stück mehr, weiter, schneller.
Ich selbst habe an diesem Hang Snowboardfahren gelernt.

Wir kennen die Bedingungen, das Umfeld, die Akteure nun seit einigen Jahren.

Zu meiner Überraschung, war der Hang auch bei äußerlich schlechten Bedingungen zum Jahreswechsel gut besucht.
Trotz Regen, Nebel und ca. 10°C Außentemperatur war der Lift in Betrieb und wurde ganz passabel genutzt. Teilweise gab es Schlangen – auch an der Imbiss-Ausgabe.

Am zweiten Tag entschlossen wir uns trotz des Wetters auf den Hang zu gehen.
Und siehe da: die fünfjährige Tochter ist mehrfach mit ihrem achtjährigen Bruder Schlepplift gefahren.

Sie hätte sogar ganz allein fahren dürfen, wenn sie es sich zugetraut hätte.
Durch den geringen Andrang konnten sich die Kinder Zeit nehmen.
Ich hatte zuvor an der Kasse abgeklärt, ob es möglich sei, dass die Kinder allein Lift fahren.
Die junge Dame von der Aufsicht kam danach von sich aus zum Einstieg, verlangsamte den Lift und reichte die Liftstange an, wenn sie die Kinder sah.
Ich musste nichts weiter tun.

Am Hang konnte ich mich ebenfalls auf das Fahren konzentrieren. Durch die Wärme der Luft war der Schnee klumpig – schweres Geläuf.


Das bedeutete, dass die Kinder wenig Gefahr liefen, den Hang zu schnell zu nehmen. Ich musste also weniger auf sie Acht geben und konnte mich verstärkt der Fortentwicklung meiner Fähigkeiten widmen.
Im Frühjahr hatte ich bereits Trainerstunden bei zwei sehr guten Lehrern. Ich konnte dort ansetzen, wo ich vor zehn Monaten aufgehört habe. Ich musste allerdings auch sehr aufpassen. Wären die Kanten des Snowboards in den aufgetürmten Bremshügeln der vor mir Gefahrenen eingefädelt, hätte es mich bei weiterhin schlechter Gewichtsverteilung mehr als das eine Mal vom Board gerissen.

Im weiteren Verlauf durfte ich sogar mehrere Momente erleben, wo ich eins mit dem Hang und dem Material werden konnte.
Einen solchen Fortschritt hätte ich am Morgen dieses Tages gar nicht für möglich gehalten.

Auf dem Rückweg in die Pension fragte ich mich, woher meine so gute Stimmung gekommen sein mag.
Gleichzeitig entschied ich mich, eine Saisonkarte für den Lift zu kaufen.
Vertrauen ist die Grundlage jeder Investition. Mich haben die zunächst schlecht erscheinenden Bedingungen davon überzeugt, dass ich hier auch unter widrigen Bedingungen erfreuliche Ergebnisse erwarten kann.

/Etwas ist anders

Bis zum Frühjahr 2017 waren die wetter-unabhängigen Bedingungen in Altenberg OK. Schulnote “ausreichend”.
Der Lift funktionierte. Schneekanonen waren vorhanden.
Ganz offensichtlich sollte aber nicht mehr unternommen werden als irgend nötig. Warum auch immer.
Entsprechend zurückhaltend waren wir mit unseren eigenen Festlegungen. Ausrüstung wurde geliehen. Punktekarten für den Lift. Man weiß ja nie …

Zu diesem Jahreswechsel erkannte ich nun ein paar kleinere Änderungen, die nach meiner Ansicht signifikante Auswirkungen haben.
Ich hoffe, sie werden auch durch andere Besucher erkannt und führen in die Richtung, die ich dem Ort wünsche.

Neue Ausschilderungen, ansprechend, auf deutsch und tschechisch.
Neben den angestammten Glühweinbuden und dem Imbiss am Lift stand bei gutem Wetter ein tschechischer Foodtruck auf dem Parkplatz.
Die überdachte Matschzone am Fuße des Hangs war nun mit Steinen gepflastert, geschlossen, mit Fenstern, Tischen, Bänken und elektrischer Beleuchtung ausgestattet.
Sogar Schaffelle liegen auf jeder Bank. Trocken, sauber und selbst ohne Heizung sehr gemütlich. Das macht gleich Lust auf ein, zwei Glühwein mehr und die eine oder andere Extra-Portion Quarkkeulchen wird das sicherlich auch mit sich bringen.
Die Skischule Osterzgebirge hat nun eine Hütte für ihre Ausrüstung am Hang.
Der Zauberteppich fällt kaum noch aus.
Nun war plötzlich ein zusätzlicher Toilettencontainer zu dem ehemaligen Münz-Klo im Haus aufgestellt. Alles kostenfrei.

Selbst bei mässigem Wetter gab es Warteschlangen am Lift.
Bei gutem Wetter reichte sie in doppelter Breite quer über den Hang.
Die Schlange beim Skiverleih am Lift reichte bis mittags weit auf den Vorplatz.
Ich hatte den Eindruck, es herrschte mehr Andrang als in den Jahren zuvor.

Was war passiert?

Ich habe bei Sportcollection meine Snowboard-Ausrüstung gemietet. Beim Abgeben hörte ich ein paar Details zu den Hintergründen.

Bis dahin nahm ich an, man wusste es in den Jahren zuvor einfach nicht besser. Hinterwelt und so.
Die Region ist zwar gesegnet mit weitreichendem Mangel der zu großen Erfindungen führte, in punkto Erfolgsbilder und Führungsvorbildern steht man wohl eher am Anfang, wie ich schon im Frühjahr 2017 vernehmen musste.

Tatsächlich war es wohl so, dass zwischen den Beteiligten am Hang bisher keine Kooperation existierte.
Man könnte sogar aktive Sabotage oder zumindest weitreichende Dummheit bei den Liftbetreibern erkennen.
Hinter den Kulissen herrschte erhebliche Dissonanz, die vor den Kulissen zu diesen mäßigen Leistungen führte.

Im Sommer wurde dann die Geschäftsleitung ausgetauscht und der neue Mann am Ruder hat ganz offensichtlich seine Verantwortung ernst genommen und sich gekümmert.

Der Zustand der Piste war nicht, wie ich annahm, auf das pausenlose Beschneien währen der letzten zwei Tage zurückzuführen, während der Schnee drumherum weggetaut war.

 

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Gute Bedingungen, trotz Tauwetter

 

Anfang Dezember gab es Frost ohne Niederschlag. Schon diese Zeit wurde genutzt, um die Grundlage zu legen, von der wir zum Jahreswechsel profitierten.

/Es gibt nichts Gutes außer man tut es

Wohlstand entsteht durch die Nutzung von Möglichkeiten. Er entsteht aus der Nutzung von Produktionsmitteln – nicht aus ihrem Besitz.
Vor Jahren lernte ich bereits “A fool with a tool is still a fool”.

Dem schwerwiegenden Irrtum, dass “Haben” allein schon ausreicht, um “reich” zu sein sitzen viele Menschen auf, die “Reichtum” von außen betrachten.
“Monkey see, monkey do.” – unabhägig davon, in welchem Wirtschaftssystem die jeweilige Person sozialisiert wurde.

Erkennen ist etwas anderes als erfahren.

– Willi Brendle

Im Wesentlichen ist alles in Altenberg noch gleich, wiedererkennbar und in der Funktion unverändert. Der positivere Eindruck und die gute Stimmung sind also nicht auf geänderte Kern-Bedingungen zurückzuführen.
Es liegt also nicht am Werkzeug, sondern an seiner Anwendung.

Diese Details aber machen aber den Unterschied.
Und so etwas hat Folgen.

Das macht den Unterschied zwischen “ausreichend” und “hervorragend”.
“Nichts zu beanstanden” ist etwas erheblich anderes als “gern wieder”.

/Waswärewenn …

Worum geht es im Leben?
Sparen bis in den Tod oder Möglichkeiten zu nutzen, damit sich das Gute vermehrt?

  • Was, wenn mein Beitrag die Grundlage für andere Beiträge bildet?
  • Was, wenn ich in Erneuerung investiere anstatt allein zu erhalten was funktioniert?
  • Was, wenn das was ich gebe, mehrfach zu mir zurückkommt – nur in anderer Form?

/Moral von der Geschicht

Wenn man das Richtige tut, sind so genannte “schlechte Bedingungen” für Weiterentwicklung hervorragend geeignet.
Gerade der Mangel bringt das, was Menschen ausmacht gegenüber dem was Maschinen leisten, zum Vorschein.

Man sollte mit Sparsamkeit vorsichtig sein.
Wenn Bedingungen ohne Sinn und Verstand kontinuierlich schlechter werden, ist irgendwann die Grenze von Widerstandsfähigkeit und Innovationsfähigkeit überschritten.
Irgendwann richten ausbleibende Überschüsse, Investitionsstau und Mißwirtschaft das System als Ganzes zu Grunde.

Die Kunst ist, vorher die Richtung zu wechseln und sich in den überlebensfähigen Toleranzbereich des Systems zurückzubegeben – anstatt es aufzugeben.
Es muss nicht immer wie 1989 enden.

/Mach etwas daraus

Wer Ideen hat und Vertrauen erfährt, braucht den Mangel nicht zu fürchten. Das eine ergibt das andere.
Gerade dort, wo sich etwas verändert entstehen die Möglichkeiten zur Fortentwicklung. Stillstand ist Rückschritt … 🙂

Ich kann es kaum erwarten, bis wir in den sächsischen Winterferien wieder nach Altenberg fahren. Nur noch knapp 5 Wochen.
Aber vielleicht geht ja noch das eine oder andere Wochenende davor …

/etc

Den besten Überblick über das, was ich für teilenswert erachte, gibt es auf meinem twitter-Kanal.

/Inspiratoren

/Weiterführendes

/lebewohl

Lebe lang, in Frieden und Wohlstand.
Mögen sich alle Bedürfnisse in Realität auflösen.

/berühmteletzteworte

Das Leben verläuft in Kreisen. Manche sind größer, andere kleiner.
An Ihrem Ende findet sich kein Ende, sondern ein neuer Anfang.

Sprich zu denen, die es angeht. Teile, was Dir wichtig ist.

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