Es geht los

“Willst Du wissen wie die Woche danach verlaufen ist?”

Selbstverständlich wollte ich das und so antwortete ich auf ihre SMS.
Wir verabredeten uns zu unserem üblichen Austausch über die zwischenzeitlichen Fortschritte.

/äußere Zusammenhänge

Meine Zeit vor Ort ging zu Ende. Austausch erfolgt nur noch punktuell. Höchstens ein Mal im Monat treffen wir in physischer Präsenz aufeinander. Die meiste Kommunikation verläuft schriftlich oder per Telefon.

Der Sommerurlaub der Familie nahte und es gab noch etwas zu erledigen.
Die Übergabe der LEGO-Education-Spende sollte vor Ort erfolgen. Das war uns wichtig.
Ich nutzte die Gelegenheit und war bei einer grundlegenden Besprechung der Teamleiter dabei.

Im Nachgang ist bei mir einiges passiert.

Ich hatte das Erlebnis abgespeichert. “Ist halt so”, dachte ich bei mir.
Der Bericht zur LEGO-AG band meine Aufmerksamkeit.
Anne war mit einer Formulierung im Bericht über des SML#2 unzufrieden.
Der Durchbruch bei dem Buchprojekt mit Tobias vom darauffolgenden Mittwoch setze neue Energie frei.

Eigentlich tue ich etwas ganz anderes, um meine Existenz zu sichern.
Was ich hier beschreibe ist eines von vielen Highlights jenseits des Normalen.
Es sind die Sahnehäubchen auf einem Alltag voller Verpflichtungen und Abstimmungen, Terminen und eMails, Dokumenten und deren Überprüfung.

Dieser Alltag lies sich für mich bisher recht gut bewältigen. Da, wo ich hauptsächlich tätig bin, hatte man es sich in einem Wasserfall-geprägtem Umfeld bequem eingerichtet. Die Umstände hatten mich in den letzten fünf Jahren auf ihre Geschwindigkeit herunter gebremst. Ich kam mittlerweile damit zurecht. Begeistert hat mich anderes. Dieses Umfeld gibt mir die Möglichkeit an Dingen mitzuwirken, die mir sonst verwehrt bleiben.

Ich schätze das schätze sehr, dieses Drehen an den größeren Rädern.
Umso mehr schätze ich es, wenn ich einen Beitrag dazu leisten kann.
Am meisten schätze ich es, wenn die Wirkung erkannt und Wertschätzung darüber ausgedrückt wird.
Dann wissen alle, woran sie sind.
All das bietet mir diese Umgebung.

Und bisher bot sie mir auch genug Gelegenheit, mich darüber hinaus zu betätigen.
Seit der beschriebenen Woche zweifle ich, ob das noch länger so ein wird.

/Was wird anders?

Zeitgleich nehmen zwei Organisationen Fahrt auf.
An beiden Entwicklungen bin ich beteiligt.

In der einen war meine Aufgabe genau diese Entwicklung herbeizuführen. In der anderen habe ich eine Fachkräfte-Rolle, die mit den Auswirkungen einer groß angelegten Transformation zu einer agilen Organisation konfrontiert ist. Das Wissen um die Perspektive der jeweils anderen Seite hilft mir enorm, um mich auf beiden Seiten zurecht zu finden. Ich bewerte diesen Umstand als einen Mehrwert, den ich beiderseits einbringen kann.

Dort, wo ich als Transformator zur agilen Arbeitsweise tätig bin, weiß ich, dass meine Unterstützung immer seltener gebraucht wird. Ich muss nicht mehr jede Situation selbst miterleben. Ich kenne die meisten Akteure und das gegebene “Setting”. Kurze Berichte genügen mir, um für meine Gesprächspartner dort eine Reflexionshilfe zu sein.

Da, wo ich auf der Fachebene für die IT-Security zuständig bin, werde ich nun häufiger und intensiver benötigt. Vorbei sind die Zeiten als jemandem kurz vor GoLive auffiel, dass die gelieferten Funktionen nicht nur eine betriebliche Erwartungshaltung an Stabilität erfüllen müssen. Security und Compliance “by Design” sind die Schlagworte. Wir, die wir dort die Security-Rolle bekleiden, werden nun immer früher und immer enger in die Entwicklung mit einbezogen. Dadurch erzielen wir mehr Wirkung und erleben weniger Konflikte. Allerdings müssen wir auch mehr Aufwand in das gegenseitige Verständnis investieren.

Es war zwar unbefriedigend aber auch deutlich einfacher am Ende des Projektes zu bescheinigen, das es eine Reihe von Abweichungen gibt, die eine Risikomeldung erfordern. Bei einer wirklich agilen Entwicklung muss ich in meiner Rolle ständig auf Ballhöhe mitlaufen. Oft kommt die Pfeife zum Einsatz, manchmal müssen Karten gezückt werden. Manchmal braucht es seine Zeit, um das Geschehen zu untersuchen. Woanders heißt das jetzt “Videobeweis”.

An dieser Stelle fühle ich mich dann häufig wie beim Kicken im Park. Die Spieler kennen sich ewig. Es wird gezaubert. Übertragen auf mein eigentliches Tun: die Leute beherrschen das Handwerk.

Allerdings

Wenn ich frage wo es steht wird es ruhig.

Ein Mysterium, was mir wahrscheinlich immer verschlossen bleiben wird ist:
warum sind die Menschen auch im professionellen Umfeld so dokumentationsfaul?
Warum wird lieber auf einen Impuls hin gehandelt als sich zu überlegen, wie das gerade Erlebte zum ganzen Rest passt?
Warum wird in Gruppen geschwiegen und die selben Leute sind im Einzelgespräch nahezu redselig?

Genau das macht aber den Unterschied zwischen einem geregelten Spiel zwischen zwei Mannschaften und dem Agieren in einer Organisation aus.

Im Spiel gilt

Wichtig ist auf dem Platz

In einer Organisation gilt das auch.
Aber da gilt eben nicht

Schluss ist, wenn der Schiri pfeift.

In der Organisation ist Schluss, wenn die Aufgabe erfüllt ist.

Manchmal dauert das mehr als 90 Tage. Manchmal nur wenige Minuten. Und ganz oft ist überhaupt nicht klar, worin die Aufgabe überhaupt besteht und wer eigentlich “Schiri” ist. Da gibt es dann eine Reihe von Vorstellungen, die hoffentlich einen Kern haben, in dem man Gemeinsamkeit finden kann.

Und so erstaunt es manche Führungskraft, wenn die Losung der neuen Arbeitswelt lautet

Erst sammeln, dann entscheiden.

Anstatt Aufträge zu formulieren, die dann wie blinde Pässe in der Tiefe des Raums verloren gehen, wird zunächst einmal untersucht, wo wer steht.
Es hilft auch zu wissen, mit wem man es zu tun hat und auf welches Tor man spielt.
Bälle im Netz sind dann nur noch die Folge von guter Vorbereitung und geschicktem Tiki-Taka.

/Erkenntnis

Menschen wollen verändern. Die wenigsten wollen verändert werden.

Und doch sind wir alle das Ergebnis von Entscheidungen – nicht notwendigerweise unserer eigenen.

Wer Veränderung bewirken will, muss in einer vertrauten Sprache sprechen.

Wird zu

Wird zu

/waswenn

Eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen des agilen Arbeitens ist Freiwilligkeit.
Allerdings müssen Beteiligte eine Vorstellung davon haben, an was sie beteiligt sind.

  • Was, wenn anders besser ist?
  • Was, wenn etwas mir nichts bedeutet?
  • Was, wenn auch Zwang zum Glück führt?

/Zusammenfassung

Viele Personen in der Position des Coaches tun sich schwer mit “Druck ausüben”, “zwingen”, “hart durchgreifen” und ähnlichen Instrumenten vermeintlich antiquierter Führungstechnik.
Stattdessen wird bis zur persönlichen Selbstaufgabe gefragt, begleitet und angeboten.

Nichts davon funktioniert in seiner reinen Form. Es gibt kein Patentrezept.
Ein “One-fits-all” gibt es nur bei Basecaps.
Im Zweifel führen ein paar zackige Ansagen zu wahrnehmbarer Reaktion; der Rest eher nicht so …

Die gemeinsame Basis zwischen den Extremen liegt in der Klarheit.
Richtungen wollen erkannt werden, Ziele sollen bestimmt und erreicht sein.
Wenn es schon inhaltlich so schwer ist, dann doch zumindest zeitlich – in 1 Woche wissen wir mehr …

Wenn wir nun vermeintlich unendliche Geduld an den Tag legen, dann enthalten wir einander etwas vor.
Das, was wir alle brauchen, um unser Handeln darauf auszurichten sind
klare Verhältnisse.

Wer mit wem für was woraus?

Am Ende ist die Sache mit der Transformation zur Agilität eine einfache Kiste.

  • Wir müssen wissen, wo es hingeht.
  • Wir wollen erkennen, wann wir dort sind.
  • Und wir fragen einander: “ist es noch weit …?”

Je mehr wir im Dunkeln tappen, umso häufiger müssen wir tasten.
Irgendwann wissen wir

wie sich ⌂ anfühlt

à was wir ausrichten können

wo|Hindernisse|stehen

wo ◌ wir in welcher ↘ Geschwindigkeit ↗ vorgehen …

≈ dann kommen die Dinge kommen in den Fluß ≈

Wir müssen nicht diskutieren, wo jemand sein müsste.
Wir können uns darauf verlassen. Das Miteinander erfolgt wie von selbst.
Tiki-Taka.

Dann ist es plötzlich ganz leicht

… wie Schach, nur ohne Würfel.

Wer hat das gleich noch gesagt?

/was tun?

In welchen Stein ist eigentlich die Sprintlänge von 14 Tagen gemeißelt?

Egal wohin ich komme, überall dauert der Sprint konstant 14 Tage.
Dabei befinden sich die Vorhaben jeweils in Reifegraden, die ganz andere Überrpüfungsintervalle erfordern. Manchmal sollte man sich am Ende des Tages den Nutzern stellen. Manchmal braucht man eine Inspiration um einen ganzen Tag lang damit zu arbeiten.

Widerstand ist genau so wichtig wie Zustimmung.
In meinen Augen sogar noch wichtiger.

Dann haben wir etwas, womit und woran wir arbeiten können.

Manche Dinge erkennen wir erst, wenn sie fehlen. Und wenn wir schon erfahren haben, wie wichtig sie sind, dann können wir sie aktiv benennen. Manchmal ist es ein Arbeitsvorrat, manchmal ist es der Überblick über den Fortschritt. Manchmal ist es das schlichte Einfordern von Liefergegenständen.

Immer ist es ein gegenseitiges Verständnis aus dem ein gemeinsames Verständnis erwächst.
Und wenn das über eine Sprache erfolgt, die jemand bereits beherrscht, dann ist genau das der Zugang zu diesem gegenseitigen Verständnis.
Und wenn weitere Beteiligte diese Sprache kennen, dann hat man eine Basis aus der Gemeinsamkeit entstehen kann und irgendwann entsteht daraus Tiki-Taka auf dem Spielfeld.

Das ist dann leichter an die vorgefundene Situation anpassbar als ein im Vorfeld verabredetes Agieren in Formation. Das kann während der Spielzeit nur schwer von der Seitenlinie aus angepasst werden.

/etc

Die Gruppenrunde der WM 2018 war für mich eher schwer erträglich. Angelika berichtete, sie hätte nach dem Ausscheiden von Deutschland sich nicht auch noch Brasilien ansehen wollen.

Irgendwann muss mal Schluß sein mit Arbeit

So, wie ich 2014 die Dominanz der Leichtigkeit miterleben durfte, so schwer fiel es mir, das deutsche Geschiebe von 2018 zu ertragen. Für mich gab nur einen weltmeisterlichen Moment der deutschen Mannschaft: das Tor zum 2:1 gegen Schweden. In diesem Spiel wurden wir auch Zeuge, wie Führung all zu oft abläuft. Jérôme Boateng hat sich für einen fremden Fehler geopfert und gelb-rot eingesteckt. Führungskräfte sind oft auch solche, die Versagen anderer schwer ertragen können und dann intervenieren, um noch Schlimmeres zu verhindern.
Allerdings: so wird man kein Weltmeister.

Was auch immer ich sonst noch für beachtenswert halte, teile ich über Blogbeiträge hier und anderswo.
Den besten Überblick über alle Fragmente vermittelt mein twitter-Kanal.

/Inspiratoren

/Weiterführendes

  • Tonpiloten: WM Bossa 2014
  • Tiki-Taka
  • Wie zeigt sich Magnetismus?
  • Warum heißt das Higgs-Boson auch “Gottesteilchen”?
  • Unterstützung zur Umgestaltung gibt es u.a. hier

/Medien

Das Feature-Foto “Keimblätter der Gartenbohne” stammt von wikipedia und ist als CC BY-SA lizensiert.

Die übrigen Grafiken stammen von mir und dürfen unter Namensnennung weiterverwenden und verändert werden. CC-BY-SA.

/lebewohl

Lebe lang, in Frieden und Wohlstand.
Mögen sich alle Bedürfnisse in Realität auflösen.

/berühmteletzteworte

Verläuft Dein Leben im Kreis?

Das Leben verläuft in Kreisläufen. Manche sind größer, andere kleiner.
An Ihrem Ende findet sich kein Ende – nur ein neuer Anfang.

Sprich zu denen, die es angeht. Teile, was Dir wichtig ist.

3 thoughts on “Es geht los

  1. Alexander, da hast du in den vergangenen Monaten bei Q2 nicht aufgepasst, denn wir hatten nicht einen zweiwöchigen Sprint! 😜

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    1. Doch, habe ich. Ihr seid ja auch schon weiter. Und Eure Sprintlängen entstehen noch aus ganz anderen Erwägungen heraus.

      Die Aussage hier bezog sich mehr auf mein Erscheinen – und weniger auf den Zustand, wenn ich mich wieder verabschiede 😉

      Grüße nach Halle und meine besten Wünsche für das bevorstehende zweifache Major-Release. 🙂

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