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agiLEipzig Barcamp No. 3

Alle Jahre wieder …

Die meist jüngeren unter uns zu Weihnachten und Geburtstag. In meinem Fall weiche ich von der Konvention ab. Im Frühjahr ist freiraum.camp in Hannover und das andere große Fest feiere ich auf dem jährlichen Barcamp unserer regionalen Gemeinschaft agiLEipzig.

Am 24. Und 25. November war es wieder soweit. Dieses Mal fiel das Fest auf Sonnabend und Sonntag. Auf mittlerweile zwei Ebenenen der Halle 14 auf dem Gelände der Spinnerei trafen wir uns, um einander zu beschenken. Eine willkommene Unterbrechung meiner anhaltenden Blogpause.

Leider war der Termin mit meinem familiären Kontext nur eingeschränkt vereinbar. Ich konnte nur an einem Tag teilhaben. Andere Menschen haben andere Prioritäten und so kommt es, dass der folgende Bericht nicht nur streng subjektiv, sondern auch unvollständig ausfällt, was das Gesamtereignis angeht.

/Tag 1

Sonnabend Morgen. Die Kinder werden wach. Ihre Mutter nicht. Call of Duty.

/Anreise

Das erste Geschenk erhielt ich bereits im Auto. Am Vortag verabredeten Willi, Sören und ich, zusammen dorthin zu fahren. Wegen Nuancen in der Kommunikation und den Kindern, die mich bis auf die letzte Minute in Beschlag nahmen, stand ich an dem Ort, den ich als Treffpunkt angegeben hatte (Kreuzung) und sah nicht, dass Willi bereits an dem Ort stand, den er angegeben hatte: direkt vor meiner Haustür.

Nach einigem lustigen Hin-und-Her, bei dem ich mich bis jetzt immer noch missverstanden fühle, führte das zu einer Formulierung, die ich so schon sehr lange unterbewusst gesucht hatte und jetzt endlich aussprechen konnte.

Viele Konflikte entstehen vollkommen unnötig.

Das übereinstimmende Verständnis eines angestrebten Ziels genügt. Click To Tweet

Es ist nicht erforderlich, auch in der persönlichen Bedeutung übereinstimmen zu müssen.

Nehmen wir das konkrete Ereignis. Für mich ist es einer der wichtigsten Termine im Jahr. Damit ich den wahrnehmen kann, muss ich vor Ort sein. Das war das Ziel, was uns alle drei einte. Und jeder andere der Teilnehmer war aus ähnlichen, jedoch nicht zwangsläufig aus dem selben Grund dort. Ein Ziel muss nicht für alle gleich wichtig sein. Es kommt nur darauf an, eine Vorstellung davon zu haben, eine Verabredung zu treffen und diese Verabredung so ernst zu nehmen, dass sie auch bei Abweichungen weiterbestehen kann. Auf englisch heißt das:

Stay comitted!

Viele Menschen, wahrscheinlich durch eine MINT-geprägte Gesellschaft konditioniert, erwarten “Ein-Eindeutigkeit”. Es genügt diesen Menschen nicht, ein gemeinsames Ziel zu erreichen, es muss für alle auch die “selbe” Bedeutung haben. Und wehe, die weicht von der eigenen ab …

Conrad sagte einst:

Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen.

Jeden einzelnen.

/Onsite

Anders als im letzten Jahr, war im Vorfeld bekannt, dass es Keynotes geben wird und auch, wer diese halten wird. Diese Ankündigung hatte aber auf meinen Entschluß zur Teilnahme keinerlei Auswirkung. Ich habe mein Ticket im Frühjahr gekauft, da stand kaum etwas von den Details fest. Ich hatte bereits damals genug Grund anzunehmen, dass es großartig werden wird – ganz unabhängig davon, was ich konkret erleben werde.

/10:00 Keynote: Arie van Bennekum “Agile as a corporate metabolism”

What a highlight!

Die Geschichte zum agilen Manifest aus einer der ersten Hände. Arie erzählte uns (auf englisch) wie er zur Software-Entwicklung kam und wie er sich entschied, mit etwas aufzuhören, was aus seiner Sicht keinen Mehrwert stiftete. Sein “Life-changing-Moment” war, als er mit Kollegen für die niederländische Finanzbehöre (“Belastingdienst”) eine Software erschaffen sollte. Er saß mit zwei anderen in einem Büro und erwartete eine fachliche Spezifikation, die er in eine technische Spezifikation übersetzen sollte. Ein Büro weiter saßen die Kollegen, die daraus eine Design-Spec erzeugen sollten, die dann – wahrscheinlich weiter den Flur runter – irgendwann eine hoffentlich lauffähige Software ergab.

Sie arbeiten ausschließlich auf der Basis von Dokumenten. Und wie es bei “Übersetzungen” nun einmal so ist, sie beeinhalten zwangsläufig einen Anteil an Interpretation.

Je mehr Interpreter beteiligt sind, umso größér die Gefahr der Abweichung von der Zielvorstellung ohne dass die Empfänger des Ergebnisses, die Benutzer, eine Möglichkeit hätten, korrigierend Einfluß zu nehmen.

Ich habe das vor ein paar Jahren einmal so visualisiert:

Durch Interpretation von der Vorstellung eines Apfels zur schematischen Abbildung in 6 Schritten.

Aus der ach so schönen und verlockenden Vorstellung eines wohlschmeckenden Apfels ist ein müdes Abbild dessen geworden, was man mit viel Wohlwollen noch als Darstellung eines Apfels erkennen kann. Aus dem beabsichtigten Mehrwert ist eine Simulation von Wert geworden. Jeglicher “Spirit” ist dem sicheren Weg des unter allen Umständen drittverständlichen, gemeinsamen Nenners gewichen. Bei einem Apfel wird sofort erkennbar, das da “etwas nicht stimmt”.

Bei vielen anderen Produkten herrscht am Ende nur noch blankes Unverständnis, Irritation und Frustration im Angesicht des Lieferergebnisses.

Und so begab es sich, dass im Verlaufe der ´90er-Jahre ein paar Menschen zueinander fanden, die das nicht hinnehmen wollten. Sie verfolgten einen Ansatz, der unter anderem ‚Rapid Application Delivery’, ‚Rapid Prototyping’ und später bspw. auch ‚eXtreme Programming’ genannt wurde. Sie trafen sich in Usergroups und organisierten sich in sog. Chapters in unterschiedlichen Ländern Europas. Einzelne hatten Kontakt zu Menschen in USA und man stritt miteinander, welche Vorgehensweise denn nun die zielführendste war.

Die Beteiligten verband die Ansicht, sie müssen verstehen, was ein Anwender braucht, um ihm einen Nutzen bereiten zu können. Aus dieser Einstellung heraus erkannten die späteren Autoren des agilen Manifests, dass sie einander verstehen sollten, um besser miteinander sprechen zu können. Sie beschlossen, sich persönlich zu treffen.

Arie reiste extra dafür aus Europa an. Die übrigen Co-Autoren waren entweder Amerikaner oder in den USA tätig. So kam es, dass das ‚Manifesto for agile Software Development’ aus den USA heraus seine Verbreitung fand.

Würde Arie heute etwas darin anders formulieren?

sinngemäß:
Yes, I would replace ‚Software’ by a term with a wider range of application.

Im Verlauf des Vortrags erzählte er, wie groß der Widerstand in den Anfangstagen war. Er wurde für verrückt erklärt und die Wirkung seines Vorgehens wurde auf breiter Linie in Zweifel gezogen. Schließlich gab es ja keine allgemein anerkannten Beispiele, die auf breiter Linie als Erfolg bekannt und anerkannt waren. Die Tatsache, dass Arie zufriedene Benutzer in Time und Budget vorzuweisen hatte wurde nicht akzeptiert. Den Propheten an eigenen Darstellungen zu messen war und ist vielen zu risikoreich.

Und so war der Anfang mühsam. Erst ein Projekt, dann ein zweites und so weiter.
In der Einladung zu diesem Barcamp hieß es, “agile is the new normal.”
Es hat für Arie knapp 25 Jahre bis hier hin gebraucht. Und auch das “agile manifesto” ist bereits 17 Jahre alt.

Im Rest des Vortrages erläuterte Arie die Prinzipien und Praktiken im agilen Manifest aus seiner Perspektive.

Mir war ein Punkt besonders wichtig, weil dieser nach meiner Erfahrung am häufigsten ignoriert oder falsch verstanden wird.

Der Punkt ist ‚Dokumentation’. Viele missverstehen ein agiles Vorgehen als alleiniges Liefern eines funktionsfähigen Produkts. Den Umstand, dass dieses Produkt benutzbar, wartbar und erweiterbar sein muss, um seinen vollen Wert zu entfallen, lassen allzu viele außer Acht.

Michael Schiller steckte mir im Nachgang, dass dies bei Zuhörern um ihn herum ebenfalls als ein abwegiger Punkt angesehen wurde. Sie hielten meine Nachfrage für überflüssigen Quatsch. Ich habe jedoch zugehört und kenne fast nur Umgebungen wie die aus denen Arie heraus seine Haltung entwickelt hat. Der Gegenstand der täglichen Arbeit, die Software, wechselt häufig. Die Beteiligten wechseln häufig, die Benutzer sind persönlich unbekannt und nicht direkt erreichbar. Die einzige Möglichkeit, diesem Umstand Herr zu werden ist Dokumentation. Und das ist der wichtige Punkt im Manifest. Erst kommt das Produkt und dann seine Dokumentation. In den Anfangstagen kam erst das Dokument und dann das realisierte Produkt.

Working software over comprehensive documentation.

Mehr steht da nicht.

/10:45 Session-Pitching

Die Experts hatten das Recht der ersten Wahl und ihre Sessions verteilten sich über das Board. Ich hatte mir die Woche über Gedanken gemacht, wie ich meine Session so darstellen kann, dass einerseits mein Punkt erkennbar wurde und andererseits eine möglichst unterschiedlich zusammengesetzte Gruppe dabei heraus kommt. Ich wollte keine Filterblase um Fortgeschrittene und Profis erzeugen. Mir kam es vor allem auf Gesprächspartner an, die zu Beginn der Reise nach Orientierung suchen.

Was aus “Ahhh” und “Ohhh” entstand

In der übrigen Zeit des Pitching setzte ich mich zu Arie, der allein in seinem “Ask Arie”-Bereich saß. Ich nutzte die Gelegenheit, um zu erkunden wie es damals war, als er das Manifest mitgestaltete. Wie fühlte es sich an? Wussten die Beteiligten, was sie da tun? Hatten sie eine Vorstellung davon, was sie auslösen würden? Wie schwer war es, einander “auf Kurs” zu bringen?

/11:00 “Stell Dir vor, Du arbeitest agil …”

Ich hatte diesen Titel gewählt, um mit einer Vorstellung von “this is agile” einzusteigen. Im Verlauf der Session wollte ich dann Wunsch und Wirklichkeit, Voraussetzungen und Auswirkungen von einander unterscheiden und die Beiträge der Teilnehmer vorgegebenen Aspekten zuordnen.

Dagmar und Willi hatten Interesse. Wir kennen uns bereits und stehen ohnehin im Austausch. Beide sagten mir nach dem Pitching ab, weil sie andere Sessions besuchen wollten. Mehr Resonanz war nicht erkennbar. Ich machte mir daher keinen Stress als ich den Raum suchte, um nachzuschauen, ob sich weitere Menschen einfinden werden. Zu meiner Überraschung saßen dort weitere Interessenten und wir stiegen in das Thema mit einer kleinen Vorstellungsrunde ein.

Ich wollte, dass die Teilnehmer einander in ihrem aktuellen Erfahrungsgrad kennenlernen. Und es kam, wie ich es mir erhofft hatte. Es waren Betroffene einer bevorstehenden “Agilisierung” genau so vorhanden, wie eine Kollegin von Launchlabs, die gern mit dem Irrtum konfrontiert wird, dass “die richtige Umgebung”, von der Menschen wie ich immer reden, sich auf die Möbel beschränkt, die Launchlabs anbietet.

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Aber das richtige Ambiente kann sehr viel ausmachen. Manche Transformation gelingt dennoch nicht und so manch andere gelingt trotz sub-optimaler Einrichtung. Es ist also etwas anderes, was den Ausschlag gibt?

Ich konnte das bereits erfahren und schreibe deshalb darüber mit dem Company Pirate, Tobias Leisgang.

Mit diesem Session-Angebot ging es mir darum, einen Reality-Check durchzuführen und zu prüfen, ob unsere Sicht auf die Dinge wiederholbar ist und auch bei anderen vorhanden ist.

Kurz vorweg: ist sie.

Ich habe in der Vorbereitung zu der Session etliche Darstellungsformate überlegt. Am Ende wollte ich eine Art Windrose entstehen lassen. Wir kamen zeitlich jedoch nicht dazu.
Daher hier jetzt eine Kombination aus Vorarbeit und Zielbild.

Wir endeten hier:

Und das war mein Zielbild:

cause+effect: this is agile

Ursache (unten) und Wirkung werden begleitet von ablenkendem Denken (links) und verhinderndem Handeln (rechts).

Wofür ist das gut?

Wenn ich weiß, welchen Irrtümern ich immer wieder begegne und wenn ich weiß, welche Handlungen Agilität behindern oder sogar verhindern, dann kann ich mich darauf vorbereiten, diesen Umständen entgegenzutreten. Ja. Irrwege sind wichtig. Sie erhöhen die Ortskenntnis. Aber wäre es nicht auch eine schlaue Idee, das unbekannte Land zu kartografieren?

Muss jeder jeden Fehler selbst machen?

Es zeigte sich, dass wir einander eine Menge zu geben hatten. Die Details spare ich aus. Wer interessiert ist, kann mich gern ansprechen.

Neben dem Thema “Theory X/Y” haben wir uns am intensivsten mit Effektivität und der recht wesentlichen Unterscheidung von “Output” und “Outcome” beschäftigt. Ich habe den Punkt von Björn Schotte aus seinem Vortrag auf der ‚Modern RE 2018′ aus Berlin mitgebracht.

Das hat Michael zu diesem tweet bewegt:

Treppenwitz: Michael arbeitet derzeit noch in Berlin.

Raum-Koinzidenz allein genügt nicht!

Zeitpunkt, Ort und die kognitiven Bedingungen müssen passen, bevor eine Erkenntnis weitergereicht werden kann und kollektives Lernen möglich wird. Das macht Kommunikationserfolge so unwahrscheinlich und führt dazu, dass wir Geschichten immer wieder erzählen können und damit Menschen immer wieder anders erreichen.

/Nachbrenner

Es ist vorbei, wenn es vorbei ist.

Die meisten Teilnehmer verschwanden mit dem zweiten Gongschlag. Es stellte sich heraus, dass der Raum nicht belegt war und so setze ich das Gespräch mit Michael fort.
Wir machten Retro.

Michael sagte, er hätte die Teilnehmer die Sammlung per Magic Estimation strukturieren lassen. Ich ärgerte mich ein wenig, dass ich nicht drauf gekommen war. Vielleicht hätte das etwas mehr Zeit für das Erarbeiten der Struktur freigesetzt. Andererseits wäre vielleicht die Sache mit dem “Outcome” nicht hervorgetreten. Es war das einzige, was passieren konnte …

Andererseits waren wir auch beide mit meinem Vorgehen zufrieden. In meinem Fall moderierte ich jeweils Streitgespräche darüber an, ob ein Aspekt mehr ein Irrtum order mehr eine blockierende Handlung, eine Voraussetzung oder ihr Ergebnis sei.

Er gab mir auch einen Tipp, den ich als sehr wertvoll einschätze. Am Anfang half es ihm in seiner aktuellen Position, die Sache nicht zu benennen. Er hat einfach gemacht und die Praktiken delegiert, nachdem er sie einmal vorgemacht hat. Anstatt aufwendig aufbereiteter PowerPoint-Slides hat er die Teilnehmer ihre wichtigen Punkte aufschreiben lassen. Im Folgetermin forderten die Teilnehmer dieses Vorgehen bereits ein. So kann’s auch gehen – im Konzern.

/14:00 – Storytelling und UX

Nach dem Mittagessen gesellte ich mich in den bereits ziemlich überfüllten Raum zu Conrads Angebot. Er arbeitet gerade ein Workshop-Format zu “Storytelling und UX” aus. Es geht darum, Erzähltechniken aus Literatur und Film auf die Produktentwicklung zu übertragen.

Im Kern besagt seine These, sich als Designer in die Rolle des Nutzers (Helden) hineinzuversetzen und ihm mithilfe des zu entwickelten Produkts eine Unterstützung genau dort anzubieten, wo er sie braucht, wenn er sie braucht.

In Kleingruppen sollten wir innerhalb von etwa 15 Minuten, ein Thema aus der Sicht des Nutzer betrachten und erarbeiten, welche Unterstützung in der gegebenen Situation nützlich wäre.

Ich habe mich für “Security-Check am Flughafen” entschieden. Wir waren recht bemüht und haben versagt. Und auf eine gewisse Weise wiederum nicht.

Es gelang uns nicht, uns auf eine Heldenfigur (“Persona”) zu einigen, da jeder von uns seine eigene Herangehensweise und die damit verbundenen Vorstellungen zum Maßstab anbot. Zumindest fast alle von uns. 😉

Ich strapaziere diesen Denkfehler des eigenen Maßstabs seit Jahren. Mein Spiel “Everyday Agile” behandelt genau das. Aus der Erfahrung mit etlichen Durchläufen gehe ich mittlerweile soweit, in Gruppen Lösungsvorschläge überhaupt nicht mehr einzubringen. Durch meinen Erfahrungshorizont handle ich meist weit jenseits des sog. ‚Normalen’. Es wäre also fatal, meine Bedürfnisse zum Maßstab einer breiten, nicht weiter bestimmbaren Masse der “meisten” Menschen zu machen.

Im Fall der Flughafen-Security hatte mein Verhalten einst große Ähnlichkeit mit dem von Mr. Bingham. Und ansonsten war ich etwas mäkelig mit der Aufgabenstellung. Die Sicherheitskontrollen beim Einstieg werden nämlich nicht primär im Eigeninteresse der Passagiere oder zum Schutz der nationalen Sicherheit durchgeführt. Sie sind im Wesentlichen für die Flugbetreiber und deren Versicherungen geschaffen. Wer ist hier also Held und wer ist Unterstützer?

Die meisten aus unserer Diskussionsgruppe nehmen im Alltag am Flughafen die Unterstützer-Rolle intuitiv ein, ohne es weiter zu reflektieren. Wir informieren uns im Vorfeld und sind stolz darauf, wenn wir möglichst schnell und ohne Beanstandung die Kontrolle passieren. Jeder von uns erfahreneren Fluggästen meidet die Bereiche um Urlauber, Rentner und Familien mit Kindern.

Zu den Verbesserungen kamen wir gar nicht erst, weil wir nicht über die Phase des gegenseitigen Verstehens hinweg kamen. Diese Phase ist allerdings eine wichtige im Teambuilding.

Erst kommt das gegenseitige Verstehen, dann das Gemeinsame. Click To Tweet

Alles in allem: Wissen ist zwar oftmals hilfreich, zu viel Wissen kann aber auch behindern, wenn schnelle Ergebnisse gefragt sind.

Je kleiner die Timebox, um so rigoroser das Vorgehen. Auch Jack Bauer hatte keine Zeit für verfassungsmäßig garantierte Rechte. Schließlich muss er in 24 Stunden die Welt (die USA) vor dem Untergang retten.

Beware of #HeroCulture! Click To Tweet

Der weit verbreitete Fehler bei Entwicklungen ist, als sog. Fachexperte oder Spezialist, die eigene Expertise und die Erfahrungen aus denen sie sich speist, zum Surrogat für die Anforderungen der Benutzer zu machen.

Merke: Am besten bewahrt man den Anfängergeist, wenn man mit die Betroffenen direkt spricht und aufmerksam zuhört.

Leider stehen uns dabei unsere erlernten Kommunikationsstrukturen im Weg. Der Nutzer wähnt sich allzu oft in der Konsumentenrolle. Die meisten Nutzer erkennen nicht einmal ihre Gestaltungsmöglichkeit in Zustimmung und Ablehnung. Viele wähnen sie sich auch in einer Verhörsituation. Der Fragende wird als übergeordnete Instanz wahrgenommen, als Ermittler, der vermeintlich in die Privatsphäre eindringt. Das gilt es zu verhindern – zu viel ‚Tatort’ und Polizeiruf’ gesehen?

Mr. Columbo hat da ein paar ‘Silver Bullets’ im Repertoire.

Am Abend gab es dann übrigens auch noch den <) Augenhöhe (> Film zusehen.

Wo es an Augenhöhe fehlt, verbleibt das Risiko bei der Produktgestaltung beim PO. Mit seinen Entscheidungen zur Priorisierung des Backlogs platziert er eine Wette auf die Zukunft. Er stochert im Nebel, bis er auf Gold stößt.

/15:00 OKRs bei Holidaycheck

Es ist wie verhext. Ich nehme möglichst an jedem Treffen der agiLEipzig Community teil. Nur, wenn es gar nicht anders geht, bleibe ich fern. Im Frühjahr fragte ich Julia etwas provokant nach dem Nutzen von OKR. Seither gab es noch zwei Meetups bei TomTom. Eins zum Thema Visualisierung (mein Herzensthema) und eines zu OKR. An beiden Terminen konnte ich nicht teilnehmen. Was will mir das Schicksal damit sagen?

Beim Barcamp bot sich nun die Gelegenheit, mehr zu erfahren.

Mathias bot eine Session unter dem griffigen Titel “Von der funktionalen Aufbauorganisation zum agilen Netzwerkunternehmen mit OKRs als Betriebssystem.”

Er berichtete, wie das Unternehmen hinter dem Web-Angebot https://www.holidaycheck.de/ in die Zukunft steuert. Die Einführung von OKRs begann in 2015 und lebt fort. Auch in 2019 gibt es etwas an der Organsation zu tun. Das Unternehmen ist noch kein Netzwerk.

Im Kern sei bei Holdaycheck ein OKR ein Zielbild, das von der Leitungsebene vorgegeben wird und dann durch die Expertise der Umsetzungsebene ausdetailiert wird. Am Ende ist ein OKR dann ein von allen Beteiligten durchdrungener Themenbereich. Das OKR genieße Akzeptanz, weil es zwischen den Parteien ausgehandelt sei. Die Zielerreichung erkenne man, in dem der durch ‚key results’ abgesteckte Zielbereich erreicht wurde.

Die Ähnlichkeit und der Unterschied zu MbO hat sich mir noch nicht ganz erschlossen. Vor allem, weil ich annehme, dass es genau so wie bei MbO die selben Mechanismen sind, die eine Einführung zum Scheitern verurteilen.

Etwas irritiert hat mich die Aussage “Es gibt keine ‚funktionalen Anforderungen’ – es gibt nur Werte.”

Diese provokante These trage der Einführungsbegleiter bei Holdiaycheck als sein Mantra vor sich her. Ich nehme an, ich verstehe, was er sagen will: Jeder beurteilt die Situation aus seiner eigenen Perspektive. Das kann ich dennoch so nicht stehen lassen.

Selbstverständlich gibt es die Anforderungen in und an Funktionen. Sie variieren jedoch genau so wie der Nutzen, der daraus entsteht. Je universeller eine Funktion verwendet werden kann, umso wertvoller wird sie für eine Organisation durch den vielfältigen Nutzen, der gestiftet wird. Anforderungen betrachten eine Funktion von der Aufwands- bzw. Ursachen-Seite, während die Nutzenbetrachtung die Wirkung thematisiert. Eine Funktion ist die Abbildung von Aufwand zu Nutzen. Werte gibt es auf beiden Seiten. Allerdings liegt der OKR-Fokus auf dem Ziel und seiner Erreichung. Fair enough.

Mathias war es noch wichtig, dass die Zuhörer, die Adaption von Holidaycheck nicht 1:1 übernehmen. Und das ist dann wieder der ‚common ground’ der agilen Methodik.

Inspect & Adapt

Christof hatte dann noch eine Fangfrage gestellt.
“Womit belegt Ihr den Erfolg von OKRs?”

Mathias ging da im ersten Anlauf nicht recht drauf ein. “Indem die Ziele erreicht werden.” War in etwa die erste Antwort. Ich habe dann noch etwas nachgehakt und gefragt, ob es Daten gäbe mit denen man einen Vorher-Nachher-Vergleich anstellen könne.

Die Antwort war: Umsatz

Alles andere fluktuiere aufgrund anderer Umstände und könne daher nicht zum Beweis herangezogen werden. Allein der Umsatz steige stetig.

/In der Küche

Die beste Ort auf einer Party sei die Küche – sagen viele. Auch in diesem Fall kann ich das bestätigen.

/1 Frühstück (Steffen)

Ich liebe Kontraste und Abwechslung. Zur Begrüßung erwartete uns ein Frühstück und der bereitgestellte Nutella-Eimer(!!) sorgte für viel Resonanz.

Ich nenne es: “Paradies”.

Besonders gefiel mir, dass Steffen meine Bemühungen beim Arrangieren des Bildes auffielen und er seine Beobachtung mit mir geteilt hat.

/2 Mittag (cmueller80, Dagmar, Heiko)

Gegen Mittag durfte ich dann erkennen, dass ich entweder in der sächsischen Provinz lebe oder durch mein übriges Umfeld vom neuesten heißen Scheiß abgeschnitten werde.

Wie selbstverständlich bereitete Dagmar ihren ‚bulletproof coffee’ zu und Heiko fand nichts dabei. Mir war das bis dahin vollkommen unbekannt. Ich kann allerdings eine durchschlagende Wirkung bestätigen.

Bulletproof Dagmar

Den Rest der Zeit verbrachten wir mit alternativen Ernährungskonzepten und einem Austausch über ‚Biohacking’.

Ich lernte, dass Dagmar sich aktuell nach einer Diät ernährt, die für “moderne”, stuhlsitzende Wissensarbeiter besonders geeignet sei. Wer mehr wissen will, sei an die Kollegen von gehirnfutter.de verwiesen. Nur so viel: es gibt ein Vorurteil gegenüber Fett und eine gefährdende Tendenz zu Kohlehydraten. Nach kurzem Überflug dieser Seite konnte ich feststellen, dass ich mich “intuitiv”(??) schon nah an diesen Empfehlungen entlang ernähre.

Im Verlauf dieses Zeitabschnitts gesellten wir uns zu Volker, Mathias von der Systel und Christian Müller. Christian ist mir u.a. als ‚cmueller80‘ von twitter bekannt. Er lässt von seinem Bot seine Liste ‚agile influencer’ pflegen, auf der mein Konto hin und wieder hinzugefügt wird. Er erklärte, es läge an bestimmten Schlagworten, die ich in meinen tweets verwende.

Volker erzählte von früher und ganz früher. Vor zwei Jahren war er ein Teilnehmer bei den Spiele-Angeboten, die ich damals machte. Das von Jan Fischbach entwickelte ‚Ubongo Flow Game’ wurde auch bei diesem Barcamp gespielt – den “Holger”, der es angeboten hat, kenne ich allerdings nicht persönlich (oder doch?). Volker erzählte, dass er mit dem Spiel gute Erfahrungen gemacht habe. Er hat erst mit einem kleinen angefangen und sei dann auf das große (auch von mir verwendete) Spiel umgestiegen.

Besonders unterhaltsam waren seine Berichte aus der Zeit in der Zuckerfabrik. Saisongeschäft pur. Fahren bis an die Verschleißgrenze. Das Gegenteil von ‚sustainable pace’. Dafür aber großer Spaß mit 15 Monatsgehältern – damals. Heute sei der Zuckerpreis irgendwo zwischen 30 und 50% des damaligen Marktpreises und der Spaß sei vorbei.

Von Volker kam dann noch eine Buchempfehlung und ein paar O-Töne, die mich doch sehr stark an Frank und seine Kollegen erinnerten. Mir machte es Freude, Formulierungen, die Tobias und ich gewählt haben, fast gleich aus ganz anderer Ecke zu hören.

Ich plauderte noch etwas mit Heiko und Dagmar. Wir konnten uns noch nicht recht für Sessions entscheiden. Später ging ich auf Conrads Angebot ein. Zuvor wollte ich noch ein Thema klären, dass mich schon lange bewegt. Heiko fiel früher durch seinen imposant langen Bart auf. Dieses Mal konnte ich ihn durch seinen Movember-Schnurrbart erst gar nicht erkennen.

Auf jeden Fall konfrontierte ich ihn mit meinem damalig ersten Gedanken. Ich hielt seinen Namen, vor allem weil er ihn damals oft ohne Vornamen verwendete, für ein Pseudonym, einen Künstlernamen. Er war so freundlich, mir das Gegenteil zu beweisen.

Der heißt wirklich so!

Fragen schafft Gewissheit.

/3 Koffiepauze (Arie, Rolf, Christof)

Aus der Nachfrage von Christof im OKR-Thema kamen wir ins Gespräch. Daraus ergab sich eine interessante Fragestellung. Christof mutmaßte, das “Agilität” im Bereich der Software entstehen konnte, weil ansonsten dort alles so flüchtig sei und man mit den vorherigen Methoden eine Stabilität erzeugen wollte, wo es eigentlich keine gab. Vorgehen in der Softwareentwicklung seien nach seiner PMI-zertifizierten Ansicht nur die Simulation von Stabilität.

Den Gedanken fand ich so spannend, dass ich ihn einludt, mit mir zusammen herauszufinden, ob Arie das auch so sieht bzw. sah. Die ursprüngliche Situation, die bei ihm ein Umdenken bewirkte, war ja auch eine Simulation von Mehrwert durch Übersetzung und Fortgang entlang einer Entwicklungskette.

Es kam leider nicht dazu. Beim Abpassen eines Moments, bei dem ich die Frage hätte einbringen wollen, driftete ich in das laufende Gespräch zwischen Arie und Rolf ab. Es ging dabei um Sprachen und wie wir sie erlernen. Es schien mir genau der Punkt zu sein, an dem ich die Frage platzieren könne. Stattdessen endeten wir bei Weihnachtsmärkten.

Ja, da haben wir in Leipzig einen ganz ansehnlichen. Arie konnte am Wochenende allerdings nur die Aufbauarbeiten beobachten.

/4 – warmes Buffet

Gegen Ende des Hauptprogramms wurde das erste Fass angeschlossen. Zum zweiten Mal seit 2017 wurde das Bier zum Fest ausgeschenkt. Es stammt wie schon beim letzten Mal von Cliff’s Brauwerk.

Mancher hat ein abweichendes Verständnis von ‘Barcamp’

Ich wollte mit Willi zurückfahren und verabschiedete mich schon früh von Dagmar und Volker, die in einem Gespräch vertieft waren. Letztendlich dauerte es dann noch eine weitere Stunde bis ich wirklich loskam.

/Abreise

Auf dem Rückweg tauschten Willi und ich uns noch über den Tag, das Erlebte und ein paar unserer jüngsten Erfahrungen in unserem Arbeitsumfeld aus.

Aus irgendeinem Grund landeten wir bei ‚The Expert‘.
Ob da ein Zusammenhang besteht?

/Tag 2

Den Sonntag verbrachte ich im Kreis der Familie.

Die Keynote “Hierarchie ist tot, es lebe das Thema!” hätte mich schon sehr interessiert.
Wer erkennt das Paradoxon?

/Medien

Die Grafiken stammen und Fotos stammen von mir.

Die Grafik “cause+effect: this is agile” darf unter Namensnennung weiterverwendet und verändert werden. CC-BY-SA.

/lebewohl

Lebe lang, in Frieden und Wohlstand.
Mögen sich alle Bedürfnisse in Realität auflösen.

/berühmteletzteworte

Verläuft Dein Leben im Kreis?

Das Leben verläuft in Kreisläufen. Manche sind größer, andere kleiner.
An Ihrem Ende findet sich kein Ende – nur ein neuer Anfang.

Sprich zu denen, die es angeht. Teile, was Dir wichtig ist.

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