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Spiele nach Regeln

Solange es Regeln gibt, ist es nur ein Spiel.

Diese These ist meine Verschärfung dessen, was viele asiatische Kampfkunst-Meister immer wieder als Zitat liefern.
Eine einprägsame Verdeutlichung dazu gibt es in der Neuverfilmung von Karate Kid aus 2010. Jacky Chan blättert nach Monaten der Vorbereitung am Tag des großen Turniers erstmalig (sic!) im Regelwerk.

/Kontext

Ein junger Kollege sagte kürzlich zu mir: “Du brauchst diese [340] Regeln gar nicht. Sie sind dienen Dir nur dazu, dass die anderen ernst nehmen, was Du von ihnen willst.”
Da hat er recht. Die besagten 340 Regeln konkretisieren, was mit 5 Prinzipen bereits auf abstrakter Ebene gesagt ist.

Ich kann aber nicht voraussetzen, dass jeder über genau mein Wissen, meine Erfahrungen und mein Verständnis verfügt. Deswegen bette ich meine Erkenntnisse in meine Geschichten ein.
Leider machen sich selbst auf Wikipedia wenige Autoren die Mühe, Begriffseinträge bis auf die höchsten Ebenen zu abstrahieren. Ich kann nur mutmaßen, warum das so sein mag.

Da ich also nicht von vornherein von einem gegenseitigen Verständnis ausgehen kann, leite ich meine Blogeinträge so ein, dass bereits aus den vorangestellten Begriffen ein Mehrwert entstehen kann.

/Natur

Natur ist der Teil der Umwelt, der ohne menschlichen Einfluss existiert.

Mit dem Anbrechen des Anthropozäns durch die sog. Industrialisierung gibt es immer weniger Bereiche auf dem Planeten Erde, die ohne menschlichen Einfluss existieren.
Durch die Vernetztheit des Ökosystems gibt es möglicherweise keinen zugänglicher Bereich mehr ohne menschlichen Einfluss. Weder die Ozeane noch das “ewige Eis” sind mittlerweile frei von menschlicher Beeinflussung wie Mikroplastik oder Erderwärmung.

/Kultur

Kultur ist das, was durch menschlichen Einfluß geschaffen wurde. Das betrifft sowohl die Natur in der unmittelbaren menschlichen Umwelt als auch die Interaktion von Menschen untereinander.

Der kleinste Teil des Planeten ist allerdings Kulturlandschaft. Das sind die Flächen, die durch menschliche Bewirtschaftung erschlossen werden. Augenfälligste Zeugnisse sind Städte- und Wegebau, unterbrochen von Ackerflächen.

/Kommunikation

Gerichtete, aufeinander bezogene Interaktion ist Kommunikation. Das muss nicht ausschließlich über Worte erfolgen. Menschen verstehen auch andere Sprachen, bspw. die Gestik, aber auch die der Gewalt.
Meist wird Kommunikation verstanden als Verständigung von Menschen untereinander.
Es gibt allerdings auch das “Prinzip der kommunizierenden Röhren”.

/Resonanz

Kommunikation ist ein Teil von Resonanz. Resonanz ist der Wiederhall eines Impulses. Resonanz ist daher die Auswirkung, die eine Einwirkung zur Folge hat.
Die Eigenschaften und die bereits enthaltene Aufladung, das Potenzial, des Resonanzkörpers beeinflussen dabei die Abstrahlungswirkung der Einwirkung.

/Prinzip

Diejenigen Wirkungsbeziehungen, die ohne differenzierende Einschränkung gelten sind die “obersten Regeln” – die Prinzipien.

/Regel

Einschränkungen sollen die Wirkung von Aktivität absichern. Durch Regeln werden die wirkenden Prinzipien um die Beschreibung eines Geltungsbereichs, sog. Bedingungen ergänzt. Eine Regel bringt damit den Gültigkeitskontext in der Formulierung der Bedingung mit.
Regeln folgen dem “Wenn – Dann – Schema”.

Der “Wenn”-Anteil enthält die einschränkende Bedingung, wohingegen der “Dann”-Anteil die durch die Bedingung herbeigeführte Folge einer Aktivität oder eines geschaffenen Zustands beschreibt.

/Gesetze

Die Regeln, die durch Menschen beschrieben werden können, bezeichnen das, was gesetzt wird. Gesetze sind daher sowohl Verhaltensregeln als auch die durch Menschen beschreibbaren Naturphänomene. Die darin enthaltenen Prinzipien gelten unabhängig von ihrer beschreibenden Formulierung.

Magnetismus existiert seit Millionen von Jahren, auch wenn wir das Phänomen erst seit etwa 200 Jahren beschreiben und dadurch für den Menschen verständlich und nutzbar machen können.

/die oberste Direktive

Im Star Trek-Universum gibt es die oberste Direktive. In ihr wird geregelt, unter welchen Bedingungen mit fremden Zivilisationen Kommunikationskontakt aufgenommen wird.

Die andere oberste Direktive ist für den heute realen Organisationsalltag viel wichtiger. Unter ihren Bedingungen besteht bereits Kontakt, der aber nicht zur Eskalation führen soll.
Sie besagt:

Unabhängig davon was wir heute entdecken, verstehen und glauben wir aufrichtig, dass in der gegebenen Situation, mit dem verfügbaren Wissen und Ressourcen und unseren individuellen Fähigkeiten, jede(r) sein bestes getan hat.

Deutsch von hier,
im Original von Norman Kerth

/Wissenschaft

Die Untersuchung von Vorgehen und das beschreiben ihrer Voraussetzungen (Bedingungen) zur Wiederholbarkeit wird als Wissenschaft bezeichnet.
Wissenschaft gliedert sich auf oberster Ebene in Natur- und Geisteswissenschaften, die wiederum von der Klammer der Philosophie, der Liebe zur Weisheit, zusammengehalten wird.

Aus meiner Sicht ist die Ausgrenzung zwischen Natur- und Geisteswissenschaft für eine Menge unnötiger Konflikte verantwortlich.
Nach meinem Verständnis ist auch die Naturwissenschaft kultur- und nicht ausschließlich naturbezogen, da sie Systeme beschreibt.
Und allein durch die Beobachtung werden Systeme bereits beeinflusst, da sie zumindest zur Realität des Betrachters werden und dadurch um dessen Existenz erweitert werden.

/Abstraktion

Die grundlegendste menschliche Eigenschaft des homo sapiens, die ihn vermeintlich vom Tierreich und seinen Vorläufern unterscheiden soll, ist die Fähigkeit zur Abstraktion.
Es sei die Fähigkeit, durch die Verknüpfung von Symbolen mit Bedeutung, Vorkommnisse aus ihrem Zusammenhang herauszulösen – zu abstrahieren.

Aktuelle wissenschaftliche Funde nähren Zweifel an der Einzigartigkeit dieser Fähigkeit im Vergleich zu den vorlaufenden homo-Gattungen, aber auch im Vergleich zu sog. Primaten.

Ich habe andererseits begründete Zweifel, ob jeder Vertreter der Gattung aktuell die Fähigkeit zur Abstraktion bewusst einsetzt. Mehr dazu weiter unten.

/1×5

Der Dokumentation “Brickumentary” entnahm ich einen schönen “Insiderbegriff”.
In den 90ern und 00ern war das ernsthafte Bauen mit LEGO eine nerdige Sache. Diejenigen, die das tun bezeichnen sich als AFOLs.
Es wurde von “großen Jungs” betrieben, die sich mit ihrem eigenen Geld nun all das Erfüllen können, was in ihrer Kindheit u.a. durch Eltern und deren Budgetkontrolle limitiert war.

Auf “Conventions” war diese Klientel einst unter sich. Wenn Frauen anzutreffen waren, dann nur, weil sie ihre jugendlichen <Söhne> dorthin begleiteten.
Als Partnerinnen kamen diese Frauen für die Nerds nicht in Frage.

Mit der Zeit wurden erste Millenials, Gen-Y-Vertreterinnen und etwas ältere emanzipierte Frauen gesichtet, die echtes und eigenes Interesse an LEGO haben.
Solche Frauen, die nun tatsächlich als Partnerinnen in Betracht kamen, wurden und werden von den AFOLs “1×5” genannt.
Es bezeichnet etwas, das es eigentlich nicht gibt
– Insiderwissen: LEGO stellt keinen einreihigen Stein mit 5 Noppen her

/Es ist ernst!

Vor ca. einem Jahr schrieb ich einen Artikel über das Fehlverständnis derjenigen, die Spieltheorie gelehrt bekommen. Der Artikel wurde bisher nicht veröffentlicht.

Ich erkannte im Rahmen des Verfassens eine mögliche Ursache für eine Reihe von Konflikten, die ich im wirtschaftlichen Alltag miterleben durfte. Die prominentesten Vertreter dieses tradierten Irrtums sind nach meiner Beobachtung Studenten der Betriebswirtschaft.

Mein Schwerpunkt des Jura-Studiums war Wirtschaft und so kam es, dass ich Mitte der 90er auch mit der Spieltheorie in Berührung kam. Mir war daher das sog. Nash-Gleichgewicht bekannt, bevor der Themenkomplex im Film “A Beautiful Mind” thematisiert wurde. Seit dem Frühjahr 1994 kenne ich also das Dilemma von Herausgeforderten und Herausforderern.
Der Herausgeforderte verliert immer, er kann nur die Höhe seines Verlustes bestimmen. Um das gegebene Spiel, den Zweikampf, zu gewinnen muss einer von beiden gewinnen.
Die Möglichkeit, sich über “Mergers & Acquisitions” und Partnervereinbarungen der Kampfsituation zu entziehen überwindet dieses Dilemma, würde aber ein Champions League Spiel innerhalb der gegebenen 90 Minuten ad absurdum führen.

Wirtschaft ist kein Spiel. Und wenn zwei Markteilnehmer einander nach ihren jeweils angenommenen Spielregeln bekämpfen, dann gibt es bereits weitere “Player”, die sich in Stellung bringen.
In den 90ern führte im Unternehmensnetzwerk kein Weg an Novells NetWare und dem IPX/SPX-Protokoll vorbei. Das war, bevor mit dem Internet TCP/IP flächendeckend wurde. Dann kam Microsoft und “dominierte” das Feld. Mit Exchange war man Herausforderer gegen Lotus Notes während Microsoft selbst LINUX bekämpfte und die eigene Suchmaschine gegen Google positionierte. In der selben Zeit lächelten einige über einen Buchversender aus Seattle während Apple nur durch die beherzte Rückendeckung von Bill Gates persönlich (nicht Microsoft!) überleben konnte. Wer hätte all das gedacht?

Heute hat das von einzelnen bereits “Silly Valley” genannte Gebiet in Kalifornien die Wallstreet an finanzieller Attraktivität verdrängt und mit Unternehmen wie Facebook und Uber viele gegen sich aufgebracht, während Steve Jobs tot ist, Apple zunehmend als seelenlos wahrgenommen wird und die zwei nominell Reichsten der Welt aus der Region Seattle heraus tätig sind. Zumindest einer von Ihnen hört auf den Rat eines älteren Herren aus Nebraska, der schon vor all dem da war und fleißig Apple-Aktien allokiert, während er sterbende Lokalzeitungen aufkauft, in Eisenbahnen investiert und sich mit anderen Privatjets teilt wie “unsereins” Taxis. “Lufttaxis” sind allerdings wieder etwas anderes.

Sharing is Caring

Aus anderen Gründen habe ich mich lange mit dem Unterschied und Zusammenhang von Regeln und Prinzipien beschäftigt.

Viele, wahrscheinlich die Überzahl der an Wirtschaft beteiligten Menschen hängen einem Weltbild an, das der Vorstellung eines Puzzles gleicht.
Ich bezeichne das als den “Puzzle-Irrtum”.
Der Irrtum beruht auf der Annahme, dass in Vollständigkeit auch Richtigkeit, Wirksamkeit und Korrektheit impliziert wären.
Wenn ich das Bild im Vorhinein kenne, dann kann ich feststellen, wann ich fertig bin. Wenn ich fertig bin, dann habe ich die Aufgabe erfolgreich gelöst. Das ist die Illusion, der diese Leute anhängen.

Aus dieser Annahme heraus entstehen 1000e von Seiten Spezifikation, die dann im Ausschreibungsverfahren vergeben werden und von einer Katastrophe zur nächsten auswachsen.
Ein populäres Beispiel ist “Stuttgart 21”. Der neue Flughafen “BER” liegt etwas anders, weil dort zu dem immanenten Vorgehensirrtum auch noch kriminelle Energie hinzukam, die genau diesen Fehler im System zum Anlass nahm, betrügerischen Profit zu schlagen. An den Folgen krankt das Projekt noch heute.

Ich halte mich seit Jahren von solchen Projekten fern. Dennoch durfte ich so manchen Euro mit fragwürdigem Nutzen versickern sehen.
Ich selbst war auch Empfänger solcher Zahlungen bei denen ich mich gefragt habe, ob ich denn überhaupt das Geld wert war, das ich gekostet habe.
Formell war alles in Ordnung. Ich bekam die Zahlungen für das, was vereinbart war. Allerdings war das allzuoft “Anwesenheit” und aus meiner Sicht viel zu selten Wirkung.

Für mich galt schon damals

Erfolg ist Wirkung – nicht nur Handlung

So kam es, dass ich mich Stück für Stück aus der Parallelwelt der Großprojekte im Wasserfall verabschiedet habe. Heute arbeite ich weiterhin an recht großen Sachen mit. Es werden weiterhin Projektbudgets in Millionenhöhe bewegt und Umsätze in noch größerem Umfang mit unseren Ergebnissen erzielt. Ich agiere allerdings in ähnlichem (Konzern-)Umfeld mittlerweile auf einer anderen Grundlage.

Und so kommt es, dass ich recht häufig auf Menschen treffe, die noch auf die “alte Art” sozialisiert wurden. Die Kommunikation mit diesen Menschen, die an dem erlernten Weltbild festhalten, gestaltet sich mühsam. Es fühlt sich ein wenig an, als sei man Neo Anderson und agiere in der Matrix.
Man selbst weiß, dass man sich in einer illusionistischen Simulation von Welt bewegt, die übrigen Beteiligten halten diese Simulation aber für die einzig gültige Realität – oder verhalten sich zumindest so.

Tatsächlich ist Wirtschaft eine Parallelrealität, eingebettet in Natur und Kultur. Wirtschaft ist ein von Menschen erschaffenes System, das auf Erwartungen und Verabredungen basiert.
Sehr eindrücklich sind die daraus entstehenden Konflikte in einem Buch über die Geschichte der Welt nachzulesen. Als Beispiel mögen die Entdeckungsreisen von Cpt. Cook (1728 – 1779) dienen. Damals war die “westliche”, auf Industrialisierung, Wissenschaft und “Aufklärung” basierende Sicht nur eine von mehreren.
Cook konnte auf seinen Reisen einen Maori-Vermittler aus Neuseeland mitnehmen, der einen wesentlichen Anteil daran hatte, dass es nicht schon früher zum katastrophalen Untergang der Expeditions-Mannschaft kam.

Es gibt eine lange Reihe von Geschichten, fiktiv aber auch mit wahren Anteilen, die den sog. “Clash of Cultures” sehr eindrücklich darstellen.
Die populären sind die Erzählungen von James Clavell (“Shogun”) am Anfang und “The Last Samurai” zum Ende des Tokugawa-Shogunats. Clavell schrieb auch über Hong Kong (“Nobel House”).
Es gibt auch andere Stoffe und Schauplätze wie “Winnetou”, “Pocahontas”, “Moby Dick” und “10.000 BC”.
Und etwas abstrakter ist die Geschichte, die in “Matrix” erzählt wird.

Von 2011 bis 2013 arbeitete ich in einem Projekt zur Realisierung einer innovativen Möglichkeit der konzerneigenen Finanzierung von Automobilen. Unsere Pilotmärkte waren Schweiz und UK. Während die Schweiz als Barzahlerland das eine Ende der Extreme darstellte, war UK gerade dabei den traditionell wichtigsten Markt – Deutschland – an der Umsatzspitze durch Finanzierungen abzulösen. Wir hatten einen britischen Verbindungsmann, der uns den Weg zu den Menschen ebnete.
Wir, als Vertreter des Mutterkonzerns, wurden höflich angehört, auch wenn wir für einige Irritation sorgten. Unser “normales” deutsches Auftreten, sei in den Augen von Briten “incredible rude” – lernte ich damals. So konnte ich ein paar Monate später einen besonderen Moment der Wertschätzung durch unsere britischen Kollegen einordnen.
Wir wollten zusammen mit UK und CH die gesammelten Anforderungen für das anstehende Release fixieren. Die Kollegen saßen in unseren Büros in einem Außenstandort des Konzernsitzes. Wir blickten die Kollegen nach unserer Präsentation erwartungsvoll an als die Briten sagten

We understand the words – and we wonder about their meaning.

Unsere Herausforderung war damals vielschichtig – komplex. Es genügte nicht, mit Schulenglisch und angliziertem, technischen Vokabular eine Lösung durchzusetzen.
Wir mussten den Zugang zu den Kollegen bekommen, um die Eigenheiten des jeweiligen Marktes überhaupt zu verstehen.
Ich konnte das damals schon etwas besser als noch beim Marktbegleiter davor.

Der für uns zuständige Vorstandsvertreter erzählte damals aus seiner Zeit in UK und den Unterschieden zum deutschen Markt.
In Deutschland muss sich der Interessent zunächst durch den Beweis fundierter Produktkenntnis für das Geschäft qualifizieren. Er musste das Gespräch über die von <ihm> vorgestellte Produktreihe eröffnen, bevor es überhaupt zu den Details der Fahrzeugkonfiguration kommen kann.
Die Britinnen und Briten fragen anders. “What kind of car do I get für £800/m?”

Mich hat die Nachricht erreicht.
Vielleicht auch, weil es den Kern meiner damaligen Aufgabe als PO von einem der 18 Feature Teams traf. Ich war zuständig für das, was der Kunde über die entwickelte Webseite anfordert. Wir machten aus dem gezeigten Interesse und personenbezogenen Daten einen Lead.
Alle anderen Beschäftigten sich mit Konfigurator, Infoteasern, Login und dergleichen.
Alle anderen hatten die Worte gehört und manche konnten sich auch an sie erinnern.
Allerdings hatte es damals für niemanden sonst eine Bedeutung.
Da war sie wieder, die rote Pille.

Wenn man, so wie ich, sehr oft Kontexte gewechselt hat und fremde Kulturen erleben durfte, dann bekommt man ein ganz eigenes Verhältnis zu Regeln.
Ich habe mich mit ArcNet und Token-Ring-Netzwerk abgemüht, bevor Ethernet sich durchgesetzt hat. Ich habe TCP/IP-Stacks auf Modem-Verbindungen implementiert, bevor es DSL-Router gab. Ich habe Mailbox-Netzwerke zugänglich gemacht, bevor “alles” im Internet stattfand.

Später dann habe ich erlebt wie ITIL in unterschiedlichen Unternehmen gelebt wurde und wie hilfreich es ist, wenn Partner beiderseits ISO 27001 Anforderungen implementiert haben.
Und sehr, sehr einprägsam war es, als ich mit “OfficeNow” Unternehmen und Behörden besucht habe. Ich durfte feststellen, dass jede Organisation Microsoft Office einsetzt und jede auf ganz unterschiedliche Art. Man hätte damals – es ging um Kollaboration auf Basis von Office 2010 – den Eindruck bekommen können, dass jeder eine ganz andere Software einsetzt. Und jeder Organisationsvertreter vermittelte den Eindruck, dass das nur auf genau diese Art gehe – im Brustton des Selbstverständnisses.

Wenn jetzt allerorten von “Veränderungskultur” geschrieben und gesprochen wird, dann lächle ich in mich hinein.
Woher soll das denn kommen?

Für Veränderung braucht es Menschen, die etwas anders machen.
Und genau dabei stehen wir uns als Bestandteil der Organisation selbst im Weg.

/Regeln verbinden uns

Dadurch, dass wir uns nach Regeln verhalten, bekennen wir uns zu der Organisation in der sie gelten.
Dadurch, dass wir willentlich gegen Regeln verstoßen, setzen wir uns über den Gültigkeitskontext der Organisation hinweg. Die Gruppe derer, die sich im Verstoßen gleicht, verbindet sich gelegentlich zu einer anderen Gruppe.

Wehe dem, der gegen die Regeln einer Bruderschaft von Outlaw-Bikern verstößt 😉

Indem wir die Regeln für Fälle fortentwickeln, die ursprünglich nicht vorkamen, passen wir die Organisation an den zwischenzeitlich stattgefundenen Fortschritt an. Das ermöglicht den Fortbestand der Organisation und beugt dem Zerfall in mehrere Gruppen vor.

Der Wesenskern, das über die Regeln ausgedrückte Prinzip, bleibt von der Anpassung unangetastet und weiterhin in Kraft. Das ist, woraus eine Organisation ihre Identität, ihre Wiedererkennbarkeit bezieht.
Mehr noch: durch eine fortlaufende Auslegung und fortwährende Anpassung erhalten die Organisationsmitglieder eine Gelegenheit, den Wesenskern in dem zu erkennen, was unverändert Bestand hat – sofern sie lang genug dabei sind, um ein “nachher” von einem “vorher” unterscheiden zu können.

Diese Erkenntnis erfordert die zurückblickende Betrachtung. Das ist, was den Wert in Erfahrung und Geschichte (History, nicht nur Story) ausmacht. Diesen Wert kann allerdings erst jemand erkennen, wenn durch ein Umfeld wie Familie und Gesellschaft, genug Anhaltspunkte geliefert werden, die das wertvoll erscheinen lassen.

Wer immer nur im “Jetzt” lebt, ist mglw. glücklicher als jemand der reflektiert zwischen gestern und morgen unterscheiden kann. Wer aber niemals erfahren hat, dass nach Verzweiflung auch Trost und Erleichterung folgen, dessen Welt wird wahrscheinlich der eines Säuglings in den ersten Wochen nach der Geburt gleichen. Man ist dann immer ganz die Emotion, die in diesem Moment den Körper bestimmt.

Je häufiger Verhaltensweisen hinterfragt, bestätigt und angepasst werden, umso zügiger erfolgt die Anpassung der Organisation an die jeweils vorherrschenden Bedürfnisse innerhalb des Systems und im Zusammenspiel mit seiner Umwelt. Manche nennen diese Fähigkeit Agilität.

Je häufiger Anpassungen erfolgen, umso abstrakter müssen Regelwerke formuliert werden, um mit der Anpassungsgeschwindigkeit Schritt halten zu können.
Je abstrakter etwas formuliert wurde, desto weitreichender seine Gültigkeit und umso weniger muss erlernt und umso schneller kann angewandt werden.
Am Ende der Abstraktion steht der eigentliche Lohn. Anstatt jedes Puzzleteil im Vorfeld beschreiben zu müssen, kann jeder Herausforderung in der Praxis begegnet werden.

Die vollkommen agile Organisation ist sich innerhalb kürzester Zeit gewiss darüber, wie mit einer durch die Umwelt geschaffenen Situation umzugehen ist.
In diesem Zustand braucht es dann keine Regeln mehr. Jede Handlung der Systembeteiligten ist dann nur noch ein Ausdruck der die Organisation in ihrer Umwelt bedingenden Prinzipien.

/waswenn?

Wie wäre ein Leben ohne Angst?

  • Was, wenn Du startest, bevor Du bereit bist?
  • Was, wenn es anders kommt?
  • Was, wenn die Realität besser als jedes Spiel ist?

 

envision

/Zusammenfassung

Regeln dienen der Orientierung. Regelungen basieren auf Vereinbarungen – nicht notwendigerweise auf denen der gerade konkret Beteiligten.
Viele Regeln sind weder fixiert, noch dokumentiert und bewegen sich daher im Bereich des Brauchtums.

Das Problem dahinter: Man muss zunächst feststellen, was gelten soll, bevor man festlegt, was anders werden soll.

Warum?
Weil man sonst als Bedrohung – als unzivilisierter Barbar – wahrgenommen wird.

Keine Zukunft ohne Herkunft

Timotheus Höttges, derzeit CEO DTAG

Und wo stehen wir gerade?

Gunter Dueck hat es amüsant beschrieben, aber leider keine Einordnung vorgenommen, was das beobachtete Phänomen ausdrückt.

Er sagte in einem Vortrag, dass man an Postern und Kaffeetassen eines Unternehmens das erkenne, was die Organisation gerade besonders schlecht kann.

  • Innovation
  • Kundenfokus
  • Agile

Meine Erklärung dazu:
Jemand mit genug Impulswirkung (aka “Führungskraft”) hat ein Defizit wahrgenommen und Mittel zu dessen Beseitigung bereitgestellt.
Über Maßnahmen zur Verdeutlichung (Kaffeetassen) soll die Aufmerksamkeit erzeugt und Verhalten verändert werden.

Die Regeln an der Wand zeigen Dir woran es fehlt.

Leider wird allzuoft vergessen, hinterher aufzuräumen. Wenn die “Meetingkultur” zu einer Zusammenarbeitskultur geworden ist, braucht es auch jemanden, der fragt

“Kann das weg?”

Spätestens nach einem amüsanten Artikel im Unternehmensblog sollte dann endgültig Schluss sein.
Dann hat man noch etwas “für den Fall”, dass es ein paar “old-schooler” durch den Bewerbungsprozess bis in den Termin geschafft haben.

Ein ehemaliger Mitarbeiter erzählte mir einmal die Geschichte, dass ein Elektromeister für einen solchen Zweck auf dem Dachboden eine echte Neonröhre betrieb.
Immer wenn ein “Stift” in seinen Betrieb kam und er ihn von “Schraubenzieher” auf “Schraubendreher” umgelernt hatte, war die Neonröhre an der Reihe.
Sie stiegen dann zusammen mehrere Stockwerke hinauf auf den Dachboden und unter Flackern und Getöse schmiss er die echte Neonröhre an.
Danach wusste der “Stift”, dass das von ihm bezeichnete Leuchtmittel im Lager eine Leuchtstofflampe ist.

/was tun?

Lerne zu unterscheiden, um den Zusammenhang zu verstehen.

Nach Gerhard Wohland

Sprich über das, was Du gelernt hast.
Sprich aus, was Du daraus gelernt hast.
Sprich an, was daran nicht (mehr) passt.

Und beginne mit dem WARUM?

/etc

Blogbeiträge wie dieser sind übrigens meine Verarbeitungsergebnisse von Impulsen, die ich in Projekten aufnehme und mit dem zusammen verarbeite, was ich gelesen habe. Ich verschriftliche die Ergebnisse in dieser Form, die ich “Denkprotokoll” nenne. Damit möchte ich einem Zustand vorbeugen, den jemand einmal mit dem schönen Wort “Lesestau” bezeichnet hat.
Ich speichere die Denkergebnisse aus, um Platz für Neues zu schaffen.

Was auch immer ich sonst noch für beachtenswert halte, teile ich über Blogbeiträge hier und anderswo.
Den besten Überblick über alle Fragmente vermittelt mein twitter-Kanal.

/Inspiratoren

/Weiterführendes

/Medien

Das verwendete Featurefoto hat für mich eine besondere Bedeutung.
Mein achtjähriger Sohn visualisierte vor ein paar Wochen den Grundriss unserer Wohnung auf einer LEGO-Grundplatte. Er wollte damit für die Familie eine Orientierungshilfe schaffen, hatte aber die Echtzeitaktualisierungsfunktion noch nicht durchdacht.
Die verwendeten Minifigs standen für die Eltern und seinen zweijährigen Bruder.
Ich finde uns treffend charakterisiert.

Wir suchen übrigens noch Sponsoren für LEGO-Education-Kästen 9686, um im kommenden Schuljahr eine “LEGO AG” an seiner Grundschule anbieten zu können.

/lebewohl

Lebe lang, in Frieden und Wohlstand.
Mögen sich alle Bedürfnisse in Realität auflösen.

/berühmteletzteworte

Verläuft Dein Leben im Kreis?

Das Leben verläuft in Kreisläufen. Manche sind größer, andere kleiner.
An Ihrem Ende findet sich kein Ende – nur ein neuer Anfang.

Sprich zu denen, die es angeht. Teile, was Dir wichtig ist.

2 thoughts on “Spiele nach Regeln Leave a comment

  1. Danke für den Beitrag. Die Bereiche sind verschieden jedoch hängen sie zusammen und formen irgendwo bewusst oder auch unbewusst eine Kultur. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass es immer gut ist Gebote und Verbote gemeinsam zu erstellen und einzuhalten. Selbst diese nach einer bestimmen Zeit gemeinsam anzupassen. Dazu benötigt es eine initiale Kultur von Respekt und willen für Veränderung. 😉

    • Vielen Dank für Deinen Beitrag!

      Ja, das ist auch meine Erfahrung.
      Und dieser Anfang fällt vielen sehr schwer – warum? Das bemühe ich mich seit etlichen Blogbeiträgen zu verstehen.

      Wenn dieser Anfang erst einmal gemacht ist, dann geht es weiter und viele scheitern bei den weiteren Schritten – Frustration stellt sich ein.

      Mit den Jahren habe ich mir dazu ein Vorgehen erarbeitet. Ich nenne es, das up2U-Protokoll.
      http://up2u.blog/brief

      Der rote Pfad ist anstrengend, für viele ungewohnt und so unendlich wichtig.

      Auf dem roten Pfad entscheiden die beteiligten Betroffenen, was umgesetzt werden soll.
      Wie das dann geschieht erfolgt auf dem blauen Pfad.
      Dort wird die Wirkung erzielt, für die im roten Bereich die Grundlagen gelegt werden.

      Fühle Dich eingeladen, es selbst auszuprobieren. Ich beantworte Nachfragen gern. 🙂

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