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agiLE#27 – Konfliktkultur

Ich könnte jetzt sagen: “Das habe ich schon immer gewusst.”

Das stimmt natürlich nicht. Ich weiß, dass ich nichts weiß. Und den Rest habe ich gelernt.
Manchmal hart, manchmal weich und oftmals schmerzhaft.

Noch bevor es richtig losging, hatte ich einen kleinen Dialog mit Peter. Ich bedankte mich bei ihm für die Verbreitung letzten meines Artikels. Wir waren uns einig. Die meisten haben twitter noch nicht verstanden. “liken” kann ich, wenn bereits 50 oder mehr Retweets auf der Uhr sind. In etwa so, hat es Peter ausgedrückt. Wenn etwas wirklich gesehen werden sollte, ist ein RT wichtiger als ein “like”.

Oder wie es Conrad ausdrückt:

Der Dreikampf der Evolution:
Fortpflanzen, Überleben, Anpassen.

Also (Re)tweet, Like, Comment.

Was viele nicht auf dem Schirm haben:
twitter löscht tweets. Diejenigen mit zu wenig Resonanz, verschwinden irgendwann ins digitale Nichts. Nirvana ist etwas anderes.

Soviel dazu.

/Begrüßung

Schon wieder eine Premiere. Dieses Mal moderierte Phillip an. Peter und der Rolf hatten genug. Ihnen wäre die Organsisation eines Meetup so kurz nach dem Barcamp zu viel gewesen. Ein solches Mega-Event braucht nicht nur Vorbereitung. Es braucht auch Ruhe, um danach zu sich zurückzufinden und die Erlebnisse zu verarbeiten.

Wer kennt das nicht?

Alle diejenigen, die in ihrem Leben den ‘sustainable pace’ realisieren können. Und diejenigen, die in ausbeuterischen Systemen auf Maximalleistung getrimmt werden. Also alle, deren Leben keine ‘Highlights’ kennt.

Und so entstand das Neue.

Die Organisatoren der ersten Stunde stellten den Rahmen zur Verfügung, damit wir ein zweites, helles Highlight im September erleben konnten. Alex (krank), Max (verspätet vom Elternabend) und Phillip (vor uns) organisierten diesen Abend bei Saxonia Systems. Soweit ich weiß, war es auch für diesen Gastgeber das erste Mal mit uns.

Sie hatten da etwas vorbereitet.

Nach kurzer Vorstellung und Einleitung gab Phillip dann schnell an unseren Gastgeber ab.

/Vorstellung Saxonia mit E.T.E.O.

Ines stellte sich, Saxonia und E.T.E.O vor. Folien via Dropbox.

Wir erfuhren von Saxonias Wandlung vom Bodyleaser zum Leistungsträger. Die vorgestellte Lösung E.T.E.O. – Ein Team, ein Office – war mir persönlich bereits von Agile Saxony bekannt. Ich weiß bereits aus meinem persönlichen Arbeitsumfeld, dass so etwas funktionieren kann.

Voraussetzung ist, die Bedingungen stimmen.

Vor allem gilt es, die Besonderheiten des Mediums zu berücksichtigen. In diesem Fall entsteht die Besonderheit im Audio-Video-Enhancement des lokalen Arbeitsplatzes. Im Fall von Saxonia realisiert über Skype und riesige Bildschirme – always on. Microsoft hat so etwas auch im Angebot. Der Surface-Hub ist der Standard, den ich kenne. Allerdings nur als verabredete S4B-Termine. Wichtig ist: nicht alles, was ich sehe, sehen auch die anderen. Ich muss meine Kommunikation anpassen. Tobias und ich sehen darin den Vorteil des Mediums. Es macht transparent, was andernfalls vermeintlich ‘offensichtlich’ ist.

Ich muss sagen, was ich sehe.

Wir spielen in unserem Buch damit, dass die Teammitglieder keine Chance haben. Frank gibt sich im späten Verlauf der Geschichte als Sneaker-Afficianado zu erkennen. “Normalerweise” wäre das leicht ersichtlich. Ob es zur Sprache kommt ist eine ganz andere Sache.

Was ist der Unterschied zwischen einem introvertierten und einem extrovertierten Entwickler? Der extrovertierte blickt auf DEINE Schuhe. #Augenhöhe Click To Tweet

Ein Beispiel aus Ines Arbeitsalltag war das Begrüßen der ungarischen Entwickler. Sie gaben allen Männern die Hand. Die Frauen waren #pissed. Sie wussten nicht, dass man in Ungarn die explizite Erlaubnis braucht, um als Mann eine Frau zu berühren.

Culture matters!

Auch nicht neu waren für mich die Herausforderungen, von denen Ines berichtete. Ich kenne sie und freue mich, sie hier bestätigt zu bekommen. Ich habe den Eindruck, Saxonias E.T.E.O.-Ansatz hilft, ganz vorn mitzuspielen.

/Janett Dudda und die Konfliktkultur

Als nächste stellte sich unsere Impulsgeberin vor. Wir erfuhren von ihrer Spreadshirt-Dekade und davon, wie sie das Unternehmen im Aufbau und bei seinem Wachstum zu einer 100.000.000€-Umsatz-Organisation (in Worten: 100 Millionen Euro!) begleitet hat.

Ich kenne sie noch als 10 Millionen € Startup.

Sie hat die Organisation mittlerweile verlassen und begleitet Menschen auf dem Weg vom Freund zum Chef. Dabei helfen ihr das Studium der Psychologie und die Ehe mit einem Juristen. Sie kennt daher die ganze Bandbreite der Konfliktpotentiale und kann sie gezielt ausleuchten.

Für mich stellte sich bereits früh der erste Erkenntnisgewinn ein.

Als Janett berichtete, wie sie “auf die Meta-Ebene” gehe, wenn es droht zu emotional zu werden, da kam für mich der erste “Klick”. Die “Meta-Ebene” erreiche ich auch über: “Was bedeutet es für Dich, was für mich und was für uns?”

… damit aus Deinem und meinem unser Verständnis wird.

Von Rolf kam dann die griffige Definition:

KONFLIKT=meinung+EMOTION Click To Tweet

Und weiter ging die wilde Fahrt. Das, worauf wir in der agilen Welt, bei Innovationen und aufregendem Fortschritt schauen, ist der sog. “rote Bereich”. Es geht um Collaboration und Co-Creation. Es geht um Menschen.
Im sog. “Konzernumfeld” soll alles hübsch ordentlich und sauber zugehen. Das ist der “blaue Bereich” mit Kooperation und Co-Working. Hier geht es um Geld.

Zusammenwirken
Hier entscheidet es sich: #PurpleSpace

Der mystische Raum in dem Fortschritt tatsächlich erfolgt, ist der “geschützte Raum” in dem es erlaubt ist, rot und blau zu mischen. Hier prallen Kulturen aufeinander und hier entsteht eine neue, eine Kultur des Miteinanders. Der Ort an dem Kreativität auf Produktivität trifft, der Ort an dem der “Flow” seine Quelle hat, das ist der #PurpleSpace.

“Konzerne” im negativ konnotierten Sinn, verhindern das Entstehen des Purple Space. Der vermeintliche erforderliche Schutzraum wird zum Bunker im Stellungskrieg. Er wird eingerahmt von einer Barrikade aus Status-Insignien und Zuständigkeiten. Das vermeintlich sichere Terrain ist der Ort, an dem “Wir” uns vor “denen” schützen. Manche verkriechen sich auch dort. Emotionen werden aktiv unterdrückt und Verhalten wird professionalisiert. Nur die Amateure lieben, was sie tun (amare – lat.). Profis sind kühl, abgeklärt und agieren emotionslos – so die folgenschwere Fehlvorstellung. #kokoro. Am Ende hakt jeder den Vorgarten in seiner wohlgeordneten Siedlung und limitiert ein Ökosystem durch eine vermeintlich notwendige, unüberwindbare Grenzziehung.

Die Aussenmauern dieser Trutzburg gegenüber dem Leben nennen Tobias und ich die #EgoBarriere.

Dieser Sichtschutz auf die eigene Persönlichkeit schützt vor dem Fluß des Karmas genau so wie er den Zugang zu anderen Lebewesen verhindert. Auch Gruppen haben eine Identität und schützen ihr eigenes, noch unausgereiftes Selbst auf vergleichbare Weise.

Die #EgoBarriere finden wir also auch um Teams, Gruppen, Abteilungen, Hauptabteilungen, Bereiche, ganze Unternehmen und Branchen. In der Wissenschaft sind es Fachgebiete. In der Verwaltung sind es Ressorts mit ihren Zuständigkeiten. In der Politik finden wir sie um Parteien herum und innerhalb der Partei um die sog. “Flügel”.

Der Großteil der Menschen wird sie bereits als “Familie” erfahren haben. Es gibt dort die Kernfamilie, die Sippe, den Stamm. Ein Blick auf die Dunbar-Zahl lohnt. Zur Vereinfachung: 5, 15, 50, 150. Diese Wahrnehmungsgrenze ist Verteidigungsanlage genau so wie Kerkermauer. Sie führt zum berüchtigten Silodenken. Sie ist ein Zwischenschritt in der Persönlichkeitsentwicklung, sowohl von einzelnen Menschen als auch in der Entwicklung einer beliebigen, von Menschen erschaffenen Organisation. Sie sichert das Überleben und verhindert die Fortentwicklung.

Das geht auch anders.

Als die Sprache auf Notfälle und speziell auf die Feuerwehr kam, erzählte Janett von ihrem familiären Hintergrund. Sie kommt vom Dorf und der Opa ist bei der Feuerwehr. Das Beispiel ist großartig. Wenn die Retter vor Ort eintreffen, was fragen sie dann?

Es brennt. Wie fühlst Du Dich damit? Click To Tweet

Natürlich nicht! Die Feuerwehr bespricht sich im Wagen und auf dem Weg zum Einsatz. Anhand der vorliegenden, spärlichen und selbstverständlich unvollständigen Informationen wird erörtert, welches Vorgehen das erfolgversprechendste sein könnte. Der Eindruck wird mit der erlebten Wirklichkeit abgeglichen und dann wird entschieden und ausgeführt. Wie beim Militär. Das ist in etwa das Vorgehen, was generisch mit dem up2U-Protokoll beschrieben wird. Mit kleinen und erheblichen Abweichungen.

Woran erinnert mich das noch?

Feuerwehr ist Gemeinschafts-Arbeit. #CommunityBuilding. Das persönliche Engagement schafft Gemeinschaft und bringt Sicherheit. Es erzeugt das wichtige Gefühl: im Falle eines Falles, sind die anderen für mich da. Das ist etwas, was “in der Stadt” so nicht existiert. Dort ist der Schutzaspekt professionalisiert und meist “an den Staat” delegiert. Dort gibt es dann CorpsGeist.

Einst sah ich eine Postkarte in der Hauptwache Leipziger Feuerwehr. Die Aussage war in etwa diese:

t-shirt-110-jungs-die-man-ruft-112-maenner-die-auch-kommen
T-Shirt vom Feuerwehrshop “RAHMENLOS”

Und in den Medien?

Kind 3 trällert derzeit oft das Lied vom Feuerwehrmann Sam. “Alarm! Es kommt ein Notruf an. Feuerwehrmann Sam ist unser Mann …” #hero-culture am Fuße der Verantwortungs-Pyramide. #ISSO.

Mass das auch so?

In einer der “mittleren” Folgen von “Northern Exposure” wird es dann aus systemischer Sicht etwas deutlicher. Die Feuerwehr von Cicely, Alaska besteht aus nahezu allen Hauptfiguren der Serie und zeigt wie sie für die Gemeinschaft wirken. Nur Joel Fleischmann gelingt es wieder einmal nicht, sich in die Gemeinschaft einzufügen. Er bleibt Außenseiter, Beobachter und aus künstlerischer Perpektive Kontrastmittel.

Ist das schlimm?

Janett geht davon aus, 80% der heute Erwachsenen haben es nicht wirklich gelernt, einen Konflikt zu bewältigen. Sie muss es wissen. Sie hat das studiert. Conrad wiederum sammelt Konflikte. Er bietet eine reiche Auswahl an Bewätigungsmethoden zur Verprobung.

Probier’s doch mal mit Columbos Regeln.

Diejenigen, mit denen ein Mensch besonders gute Erfahrungen gemacht hat, die nennt er dann “ihren persönlichen Zauberstab”. Janett hat dafür auf ihren Zetteln eine hilfreiche Auswertung im Angebot.

Für welche Situationen passen welche Konfliktstile?

Stil passt
für Situation
Durchsetzen Schaden droht
Anpassen Expertise überzeugt
Vermeiden trivial & chancenlos
Kompromiss Zwischenlösung verschafft Zeit
Win-Win Perfektion lohnt

Demnach sei mein bevorzugter Zauberstab die “Win-Win-Situation” herbeizuführen.

my_style.jpg
My Style

Im Auswertungsbogen sind die Situationen jeweils ausführlicher beschrieben. Hinter “Win-Win” steht vollständig: “Passt zu … komplexen Situationen, in denen eine perfekte Lösung für alle gesucht wird & ausreichend Zeit vorhanden ist.”

“Perfekt” bedeutet für mich dauerhaft, beständig, nachhaltig oder auch “optimal” im Sinne von “Balance zwischen Aufwand und Ertrag in einem Verhältnis, in dem eine weitere Ertragssteigerung keinen zusätzlichen Aufwand mehr rechtfertigt”. Ein anderer Begriff dafür ist “Pareto-Optimum“. Um dieses Optimum zu erreichen gibt es im englischen Sprachraum auch das schöne Wort “edgework”. Es beinhaltet auch, dass es weh tut, dorthin zu gelangen. Im Sport bezeichnet das eher die “stretchzone” – bevor es zu Verletzungen kommt. Der Grat (edge) ist schmal. “Ausreichend Zeit” bedeutet für mich: “keiner stirbt, wenn wir uns jetzt die Zeit nehmen. Warte ab. Lass es geschehen. Nachher wird es für alle besser sein.”

Ja. Definitiv! Passt für mich.

Deshalb begrüße ich jede Art von Konflikt. Die Merkmale, die Janett zusammengetragen hat, sind ein ziemlich vollständiger Katalog an Signalen, auf die ich – mittlerweile meist unterbewusst – Situationen hin untersuche. Ich achtestark auf die sog. “vielsagenden Blicke” und bin hochsensibel in Bezug auf die Tonalität von Aussagen.

signale
Speziell für Dich, @le_Thomas: Signal vs Noise

Wenn sich dann ein Konflikt zeigt, dann sind viele überrascht von meiner Reaktion.

Großartig! Jetzt haben wir etwas womit und woran wir arbeiten können ... Click To Tweet

Hilfreich fand ich auch einen Gedanken, den ein Teilnehmer als Frage formulierte.

Kann ich aus der Häufung von Merkmalen auf die Schwere des Konflikts schließen?

Bestimmt kann man das. Ich bin mir sicher. Allerdings ist dafür die Unterscheidung von Kausalität und Korrelation gewichtig. Die Häufung deutet auf eine Korrelation hin. Die Intensität und Frequenz eher auf Kausalität. Wenn Probleme wiederholt “unter den Teppich” gekehrt werden, dann erzeugt das “soziale Schulden” (Sylvius Gerber).

Durch Vertagen in eine ungewisse Zukunft nimmt man eine Hypothek auf. Die Last trägt dann die Beziehungebene – das soziale Miteinander. Die Last der Schulden kehrt mit Zins und Zinseszins immer wieder zurück. Entweder, bis die Beziehung unter der Last zusammenbricht oder die Schulden per Saldo endgültig abgegolten wurden. Ein Schuldenschnitt ist auch denkbar – allerdings Verhandlungssache. Schweres Geläuf.

Das Kriegsbeil ist erst wirklich begraben, wenn sich keiner mehr daran erinnert, wo es liegt. Click To Tweet

Es kommt darauf an … hier: wie wir miteinander umgehen.

/Conversation Cafe

Nach den Bagels ging es ins Café.

Wir teilten uns auf drei Gruppen auf. Für unsere Gruppe übernahm Rebecca von F&P die Initiative. Wir sammelten die Aspekte, die uns besonders wichtig waren. Das von Phillip ausgebene Rede-Token lastete schwer in der Gruppe. Anders als wenn man Stifte weitergibt oder Bälle wirft, musste die Flasche vorsichtig weitergereicht werden.

Die Gruppe war gespannt.

Wir sollten uns und das, was wir tun mit einem Satz vorstellen. Die Teilnehmer feixten. Viele von ihnen kennen bereits die Wortgewalt, auf die ich zurückgreifen kann. Während ich nun 6 bis 7 Sätze gegeneinander abwog, entschied ich mich für den einen.

Ich verhelfe Menschen, miteinander zu wirken – in unterschiedlichen Rollen.

Ja. Ich gebe es zu. Ich habe den Satz nicht zum ersten Mal formuliert. Deshalb war er entsprechend universell und abstrakt. Ob er auch “nichtssagend” ist, kommt auf die Interpretationsfähigkeit des jeweiligen Empfängers an. Darauf habe ich zunächst keinen Einfluss. Ich bin jedoch jederzeit bereit zu erläutern, was ich damit meine.

Fokus: meinung (1%) + EMOTION (99%) = KONFLIKT

Christof lieferte diese “Normalverteilung” aus seiner Perspektive. Kein Wunder. Er ist Führungskraft und deshalb kommen bei ihm mehr als 95% Mist (G. Dueck) an. Management by Exception heißt das auch im angelsächsichen Kulturkreis (PRINCE 2/ agile). Erst, wenn es auf der Arbeitsebene zu nicht selbstständig lösbaren Konflikten (Exceptions) kommt, dann wird die nächste Hierarchieebene per Eskalation erklommen.

Und dann ist bereits viel Emotion im Spiel.

Hans_bewundert_Probleme.jpg
Hans bewundert Probleme – und wie sie gelöst werden.

Die Konfliktparteien kämpfen für etwas. Je weniger dieses ‘etwas’ übereinstimmt, desto größer die Blockade durch die gegeneinander streitenden Kräfte. Oder wie es Gueterres (UNO-Generalsekretär) auf der Münchner Sicherheitskonferenz einst sagte:

Der Konflikt dauert solange wie jede der Parteien der Meinung ist, gewinnen zu können. Click To Tweet

Kann man so machen. Wenn die eingeschlagene Überlebensstrategie Besiegen, Unterwerfung und Beherrschung zum Ziel hat, dann ist der Konflikt in dieser Weltanschauung eine notwendige Bedingung. Eine Folge davon ist der Verlust.

Das Risiko gibt der Chance ihren Wert.

Nicht notwendigerweise das eigene Risiko. Es kommt zu Win-Lose-Situationen oder gleich zu Lose-Lose-Situationen, die G. Dueck als den Kern des Begriffs “Dummheit” versteht. In meinem Studium habe ich für mich erkannt:

Wenn der Rechtsweg beschritten wird, haben alle verloren. Es geht nur noch um die Höhe des Verlusts. Click To Tweet

Oder wie ich es kürzlich ausdrückte:

Und kurz vor Schluß kam dann noch etwas.

Thomas richtete unsere Aufmerksamkeit auf “Anhaftungen im Code”. Er teilte seine Vermutung, Konflikte könnten sich im Code niederschlagen und als Bugs wiederkehren. Ich fragte, ob er das im buddhistischen Sinne meint. Ja. So versteht er das. Und so verstehen wir beide es. Janett bestätigte das aus ihrer Erfahrung und mit anderen Worten. Wenn jemand Code, vermengt mit einem eigenen Bedürfnis, abliefert, dann wird das so lange immer wieder kehren, bis dieses Bedürfnis befriedigt wird.

Das in dem Kontext wohl häufigste Bedürfnis ist das nach Anerkennung.

Bei Maslow steht das an 4. Stelle – vor “5. Selbstaktualisierung” aka “Lernen” und nach “Zugehörigkeit”. In dem Wikipedia-Eintrag steht “Selbstverwirklichung”. Das sehe ich als einen Teil der “Self-Actualization”.

Und wie zeigt sich das?

Die einen wollen schlicht gelobt werden. Die anderen wollen als die Helden erkannt werden, die in der Lage waren, ein Problem zu lösen. Auf der Mikroebene betrifft das die Beziehung im Team. Auf der Meso-Ebene die Beziehung zwischen dem Team und seiner unmittelbaren Umwelt. Auf dieser Ebene der Interaktion heisst das dann auch Conway’s Law.

Im Zusammenhang mit unserem Buch stellte ich erstaunt fest, dass unter #Studien im DE-Eintrag eine englischsprachige Untersuchung von Microsoft Research zu finden ist. Dort habe man die Meta-Daten von über 40.000 Commits zu Windows Vista untersucht und konnte in der Folge defekte Module gezielt suchen. Eine mittelbare Folge war, dass Microsoft seither die Organisation nach der Architektur der Produkte gestaltet. Vorher litt das Produkt unter Kommunikationsdefiziten, die zu einem erheblichen Anteil aus der Organsisationsstruktur und zu einem anderen aus der Erfahrenheit in Bezug auf die Schwierigkeit (MS-Sprech: “Job-Level”) des Entwicklers herrührten.

Wir haben das verarbeitet.

Frank konfrontiert im Kapitel “Was haben wir getan?” in der Szene “Statusreport” seinen Chef-Chef-Chef, den legendären “Big Jim”, mit seinem Verständnis von Conway’s Law. Er schildert ihm seine Interpretation davon und was das nach seiner Ansicht für die Qualität ihres Projektergebnisses bedeutet.

/Socializing

Im Netzwerkteil beschrieb mir Anne wie sie uns auf zwei Rechnern ihr Feedback zu unserem Buch gab. Auf dem einen las sie die PDF-Version. Auf dem anderen schrieb sie, was ihr dazu auffiel. Das Feedback hat viel bewirkt. Unter anderem gibt es eine neue erste Seite vor der eigentlichen Geschichte. wenn Geld keine Rolle spielt.png

Ich teilte mit der Runde unsere Präferenzen für die Rezeption digitaler Bücher – speziell unseres.

  1. EPUB (MS Edge, Apple Books, Tolino und viele andere)
  2. MOBI (Amazon)
  3. Online (direkt im Browser)
  4. PDF (ggf. via Word)

Der Text wird jeweils anders gesetzt, umgebrochen und entfaltet so eine andere Wirkung. Wir kamen auch darauf, weil Conny das Druck-Layout vom “Manifest für Menschliche Führung” irritiert.

Ich teilte meinen Eindruck, dass der Text im EPUB-Format am besten funktioniert. Dort fließt er so, wie wir ihn selbst denken, lesen und vortragen. In PDF stehen zwar die selben Worte, die Wirkung bleibt aber hinter ihren Möglichkeiten zurück.

Form follows function.

Die Form kann aber auch Fehlwirkungen erzielen. Das ist mit toxischem Feedback (Ignorieren, Schweigen, “Höflich sein”) genau so wie mit vielen anderen Konfliktauswirkungen.

Erst geht es ums Prinzip, bevor es um die Sache gehen kann.

/Präsentation

Vor dem Abschluss präsentierten die Gruppen ihre zusammengefassten Erkenntnisse.

Für mich lag der großartigste Moment etwas neben dem Thema – #offtopic.

Anne berichtete von ihrer PRINCE 2/ agile-Schulung. Ich kommentierte: “very britisch!” Dort kamen die Beteiligten erst am dritten Abend zueinander und ins Miteinander. Am vierten Abend tanzten sie dann Makarena.

Anne-Sophie war dort, um PRINCE 2 zu lernen. Alle anderen lernten “agile”.

/Zusammenfassung

Janett sagt:

Jeder Konflikt ist der Ausdruck eines Bedürfnisses. https://www.janettdudda.de/ Click To Tweet

Ich sage:

You need? You lead. Click To Tweet

Conrad sagt jedem, der zuhören möchte:

Menschen lernen durch Schmerz und durch Neugier. Die meisten Erwachsenen lernen nur noch durch Schmerz. https://twitter.com/ConradGiller Click To Tweet

Er sagt auch:

Jeder kämpft nur FÜR etwas. Finde heraus, was es ist. https://twitter.com/ConradGiller Click To Tweet

Und inspiriert aus den Dialogen mit Conrad sage ich:

Jeder Konflikt ist ein weiterer Schritt auf dem Weg der #Harmonie. Click To Tweet

Wer diesen Schritt nicht gehen will, wer ihn aktiv vermeidet oder gewaltsam unterdrückt erzeugt “Anhaftungen” im buddhistischen Sinne. Das Thema wird immer wieder zurück kommen, bis ein Umgang damit entwickelt und die “Livelesson” gelernt wurde. Dann erst kehrt die Ruhe ein, die es braucht, um sich mit ‘Der Sache’ zu beschäftigen.

Norbert sagt:

Erwachsen werden bedeutet auch loslassen. Man gibt das auf, was man nicht mehr braucht. Click To Tweet

Frank sagt:

Zuerst geht es ums Prinzip und erst dann um die Sache. #PurpleSpace https://twitter.com/theaofc Click To Tweet

Auf dem Weg zum Erfolg entscheidet die Organisationskultur. Zieht sie eher risikobereite Innovatoren an oder mehr die sicherheitsbedürftigen Nachahmer? Die erfolgreichsten Systeme sind in der Lage zwischen Herausforderung und Bestandserhalt zu balancieren.

Der wichtigste Faktor im Algorithmus des Überlebens ist die Konfliktkultur.

Im Umgang mit widerstrebenden Auffassungen entscheidet sich, wie viel Energie für die eigentliche Aufgabe verbleibt. Eigentlich einleuchtend …

/Und sonst noch?

Ich wurde durch einen privaten Anruf aus der Conversation Café-Session geholt. Das gab mir die Gelegenheit, die Lage von Saxonia Systems in Leipzig intensiver zu würdigen.

Thomaskirchhof_9
Vom Balkon im 3. OG

Am folgenden Morgen teilte ich das Erlebte bereits mit meinem Mit-Autor Tobias, dem Company Pirate. Wir nennen diese Synch-Termine ‘Heartbeat’. Sie sind für uns der Pulsschlag eines jeden Projekts – nicht nur unseres Projekts miteinander. Je höher die Anspannung, je größer die Ungewissheit, umso kürzer sollten diese Herzschläge zueinander liegen und umso häufiger sollten sie innerhalb einer kurzen Zeitspanne erfolgen. Im Buch nehmen wir den Herzschlag von Babies als Metapher. Beim Tiki-Taka-Fussball ist es die Pass-Frequenz.

Der Abend war für mich voller Bestätigungen.

Es erstaunt mich immer wieder, wie viele Anknüpfungspunkte wir jetzt finden, wo die Story steht und das, wie Tobias und ich es in unseren Kontexten machen, in Worten eine Form bekommen hat.

Was jetzt noch fehlt, sind weitere Wirksamkeitsbeweise.

Gilt das, was wir da geschrieben haben nur für uns? Wir denken nicht. Allerdings sind unsere bisherigen Resonanzpartner bislang nur Menschen, die es so oder so ähnlich wie wir machen. Das ist schon einmal gut. Das ist der erste Schritt. Gleichgesinnte finden zueinander und tauschen ihre Erfahrungen aus.

Der nächste Schritt wäre dann Nachahmung.

/Medien

Das Feuerwehr-T-Shirt wird hier angeboten. Die übrigen Fotos habe ich selbst aufgenommen.

Die Grafik ist noch unveröffentlicht und kommt ab dem nächsten ‘Dritten Donnerstag’ ins Buch.

Nimm Dir, was Du brauchen kannst und sage, wo Du es her hast. CC-BY-SA.

/lebewohl

Lebe lang, in Frieden und Wohlstand.
Mögen sich alle Bedürfnisse in Realität auflösen.

/berühmteletzteworte

Verläuft Dein Leben im Kreis?

Das Leben verläuft in Kreisläufen. Manche sind größer, andere kleiner.
An Ihrem Ende findet sich kein Ende – nur ein neuer Anfang.

Sprich zu denen, die es angeht. Teile, was Dir wichtig ist.

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