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Maisterlabyrinth

“Können wir erst nach der Ernte sagen. Die Besucherzahlen gingen um 50% zurück.”

Das war die Antwort des jungen Mannes auf meine Frage nach den Verlusten in diesem Sommer.

/Ort und Zeit

In Benndorf, im Süden von Leipzig, gibt es einen umtriebigen Landwirt. Er öffnet seine Felder für die interesssierte Öffentlichkeit. Man kann dort Gladiolen schneiden und Sonnenblumen. Im Frühsommer hat man dort die Auswahl zwischen mindestens 5 Erdbeersorten. Insgesamt waren es 14 Sorten in 2018 (s. Link unten). Erst probiert man, welche zum gegebenen Zeitpunkt am besten schmeckt. Dann erntet man selbst, wofür man sich entschieden hat. So, wie es im richtigen Leben auch sein sollte.

Wenn der Mais hoch genug gewachsen ist, öffnet das Maisterlabyrinth.

Der Irrgarten ist nicht von achtlosen Kindern oder provozierenden Jugendlichen angelegt, sondern vom Eigentümer selbst. Durch das gezielte Entfernen einzelner Pflanzen ergeben sich Wege.

Entlang dieser Wege sind Stationen versteckt, wo man die Fragen zu den Antworten der eingangs ausgeteilten Aufgabenzettel findet. Das gefällt mir.

Es gilt auch, alle fünf Stempelstationen anzusteuern, um ein Stempelbild zusammen zu setzen.

Neu war in diesem Jahr die haptische Erfahrung. Es gab fünf “Fummelkästen”.
Es galt, 5 unterschiedliche Fellsorten zu ertasten – Schaf, Kaninchen, Ziege, Rind und Schwein.

Es war das letzte Wochenende vor der Ernte. Die Mutter unserer Kinder wollte dort hin, hatte aber Angst um Kind 3. Sie befürchtete, er würde selber laufen wollen und sich aufgrund seiner Körpergröße verirren. Am Ende hätten wir mehr mit ihm als mit dem Labyrinth zu tun.

Es entstand ein ambitionierter Zeitplan.

Um 10:30 übernahm ihr Vater Kind 3 zur Erkundung der umliegenden Spielplätze. Nach exakt 45 Minuten Fahrtzeit erreichten wir das Maisterlabyrinth. Um 13:00 sollten wir ihn wieder in Empfang nehmen. Es blieben 60 Minuten brutto, um sich mit dem vermittelten Wissen vertraut zu machen, das Labyrinth zu durchwandern, alle Stempel zu sammeln, die Antwortbögen zu kontrollieren und den Rückweg anzutreten.

/Übung macht den Maister

Der dichtgedrängte Zeitplan erinnerte mich an ‚The Equalizer’. Genauer: ich hatte vor kurzem den Trailer zu Nr. 2 der Filmserie gesehen und brauchte beim ersten Ansehen keine 5 Sekunden, um aus Denzel Washinton und dem stoppen der Zeit mittels Armbanduhr zu entschlüsseln, dass es eine Fortsetzung des Filmes von 2014 gibt.

Die Parallelen zu meinem Alltag sind frappierend, wenn auch nicht so schmerzhaft. Um mich herum lamentieren so viele über fehlende Zeit, Termine und damit verbundenem vorgeblich unmenschlichen Druck. Währenddessen frage ich mich nur, was ich in der gegegeben Zeit erreichen kann. Wenn man das fortwährend beobachtet und bspw. eine Zeitenmessung vornimmt, dann verbessert sich das eigene Gefühl für die Zusammenhänge der Raum-Zeit-Wirkung. ‚Intuition’ steht damit ebenfalls im Zusammenhang. Während Instinkt genetisch übertragen wird, beruht Intuition auf Lernerfahrung.

Im ersten Equalizer-Film erleben wir immer wieder dieses Maßnehmen durch Robert (Denzel) McCall und das Sprechen darüber, was man unter gegebenen Umständen in welcher Zeit erreichen kann. Wir erleben selten eine präzise eintreffende Vorhersage. Aber die Ergebnisse sind erschreckend nah dran.

Das spricht mich an diesen Filmen an:

  • Eintreten für die Opfer von Willkür.
  • Präzision als eine Wirkungsbedingung.
  • Toleranz gegenüber Abweichungen.

Was ich gar nicht leiden kann, ist die Lernmechanik in diesem Plot. Wenn jemand richtig tief drinsteckt, kommt ein anderer, der aufgrund seiner Ausbildung und Erfahrung überlebensfähiger ist als man selbst. Derjenige nimmt sich der Bedrohung an und wird durch das Abwenden der Lebensgefahr zum Helden. Das Abwenden wiederum erfolgt aus Sicht der Menschheit maximal unnachhaltig. Anstatt, dass der Bedroher die Möglichkeit erhält, seinen Lebensweg zu reflektieren, seine Irrtümer einzusehen und sein Leben zu korrigieren, wird er mitsamt der mit ihm in Beziehung stehenden eliminiert.

Durch dieses Vorgehen wird eine organisatorische Sippenhaft manifestiert. Die Möglichkeit zu lernen wird für die Zukunft verwehrt und so sicher gestellt, dass immer wieder Menschen auf dem Irrweg ihrer Vorgänger nachfolgen. So geht dem “Helden” niemals der Strom an Tätern aus, vor denen er die selbstverschuldeten Opfer als Retter bewahren kann. Für den Retter ist das System stabil, vielleicht sogar nachhaltig. Für jeden ausgeschalteten Halunken kommen zwei oder mehr nach, die es nicht glauben wollen, dass einer allein ihre Vorgänger besiegt hat.

Kann man so machen, oder auch anders …

Schon Sun Tzu riet dazu, 1 von 100 vor den Augen der anderen zu exekutieren, um disziplinarische Wirkung zu erzielen. Funktioniert seinen Aufzeichnungen nach genau so gut mit Soldaten wie mit Konkubinen.

Die Bibel bietet wenige hundert Jahre später bereits ein nachhaltigeres Lernmodell an.
Nun werden Transformationen bspw. durch Namensänderung verdeutlicht. Die bekannteste Fortentwicklung ist die ‚vom Saulus zum Paulus.’

Dieses Vorgehen kennen übrigens auch indigene Völker. Manche von ihnen sehen den Menschen in drei Lebensabschnitten. Für jeden Abschnitt bekommt die Person einen anderen Namen. So wird aus dem ‚Kleinen Blatt’ der ‚Listige Fuchs’ und schließlich die ‚Weiße Wolke’.

Heutzutage kennen wir so etwas in westlichen Zivilisationen auch als ‚Zeugenschutz-Programm’. Wobei es da mit der Weiterverbreitung von Erkenntnis schwierig wird. Noch ist es eher unwahrscheinlich, dass Aussteiger aus dem organisierten Verbrechen zu Lehrern werden. Genau so wenig wie Gewalttäter oder Wirtschaftsverbrecher nach ihren zeitigen Freiheitsstrafen. Schade eigentlich. Da liegt viel Potenzial brach.

Zurück zum Kern.

Innerhalb einer maximal ambitionierten Timebox bahnten wir uns also unseren Weg zum bekannten Ort über unbekannte Wege.

Das erste Mal war die Mutter unserer Kinder mit mir dort, als es noch keines dieser Kinder gab. Das ist jetzt über 10 Jahre her. Damals war die Anreise vergleichweise mühsam und verlief über viele Seitenwege und Ortsdurchfahrten.

Mittlerweile sind die Bauabschnitte der BAB72 von Chemnitz nach Leipzig soweit voran geschritten, dass man bereits im Norden von Borna auf die Autobahn fahren kann. Zwischen dem Kreuz der B2 und der A38 muss man sich dieser Tage jedes Mal neu orientieren. Der Verkehr wird seit 2016 behelfsmäßig entlang der Baustelle geleitet. Teilweise auch schon über die Trasse der Autobahn. Besonders skurril: einspurig in jede Richtung über eine zukünftige Gegenfahrspur der Autobahn. Da muss man schon aufpassen …

Mich erinnert das an die Zeiten bis 2007 als ich von Osnabrück nach Leipzig pendelte. Jedes Mal, wenn ich zum Wochenende aus dem Bahnhof trat, war die Verkehrsführung eine andere. Über Monate hinweg musste ich jedes Mal neu herausfinden, ob ein Verkehrsmittel zu ihrer Wohnung fuhr, wenn ja welches und zuletzt: von wo aus?

Warum schreibe ich das? Weil genau hier, exakt in dieser Art von Geschichte der Kern im Unterschied zwischen meinem Vorgehen und dem der Mehrheit aller Menschen zu finden ist. Die meisten Menschen belasten sich mit dem Einprägen von Kartenmaterial. Sobald sich etwas ändert, ist dieses Wissen nutzlos. Der ganze Lernaufwand vollkommen vergeblich. Dead and gone …

Ich nutze einzelne Aufgaben dafür, die Regeln des Zusammenwirkens zu erfassen und zu erlernen. Ich muss mir daher kein Autobahnkreuz einprägen, um ein Autobahnkreuz befahren zu können. Ich kenne die Gestaltungsregeln und komme zurecht – zumindest in Deutschland.

Es gab da auch für mich Herausforderungen. A1 vor Amsterdam … in NL führen Autobahnspuren auch mal links weg. Der Stadtring Brüssel ist mir bis heute ein Mysterium … nur noch übertroffen von Cambridge. Ich halte es da mit Douglas Adams. Man fährt hinein und beschleunigt immer weiter. Schicksal und Zentrifugalkraft führen dazu, dass man genau dort aus dem Einbahnstraßensystem heraus getragen wird, wo man hin will. Adams schrieb das einst so und ich kann es aus meiner Erfahrung mit Cambridge und dessen Verkehrslenkungssystem bestätigen.

Was hat das denn mit Irrgärten zu tun?
Wann kommt denn endlich der Punkt?

Tja, der Punkt kommt im nächsten Abschnitt und trifft so manchen unerwartet.

Bevor wir dorthin kamen, wo wir hin wollten, bahnte unser Auto durch den südlichen Landkreis Leipzig. Ich machte die Mitreisenden auf die Besonderheit aufmerksam, eine Autobahn im Bau zu erleben. Ich selbst habe das bisher nur ein Mal erleben dürfen. Es war ebenfalls ein Kabinettstück des Straßenbaus. Die A33 sollte im Rahmen des Leber-Plan entstehen und die A2 südlich von Bielefeld mit der A1 nördlich von Osnabrück verbinden.

Mit Powerpoint hat das gut funktioniert.

Das pflege ich oft zu sagen, wenn ein Vorhaben in der Skizze überzeugend erscheint und dann in der Umsetzung stecken bleibt. Die Ursprünge des Leber-Plans reichen zurück auf die späten 1960er-Jahre – West. Da gab es noch kein Powerpoint und Bill Gates ging noch zur Schule. Heute, 2018, ist die Verbindung immer noch nicht hergestellt. In den 14 Jahren, die ich in Osnabrück lebte, durfte ich immerhin die letzten davon via Autobahn nach Halle/Westfalen zurücklegen.

Der Leber-Plan des Ostens heißt VDE – Verkehrsprojekte Deutsche Einheit und stammt aus 1991. Die A72 hat damit allerdings nur am Rand zu tun.

Die Ursprünge der Anknüpfungspunkte liegen in den 1940er Jahren. Die letzten Teilabschnitte werden nicht mehr in den sächsischen Verkehrswegeplan 2030 eingestellt, wie ich zum Wikipedia-Artikel der A72 erfahren durfte.

Warum das alles?

Die meisten Menschen, inkl. meiner engsten Familie interessiert das alles nicht. Ihnen ist es egal, wie Straßen entstehen, was aus ihnen entsteht und wie man das alles macht.

Ich allerdings habe meinem Vater zugehört. Auch als er plötzlich ausrief

So habe ich mir das damals vorgestellt!

Das war irgendwann in den 2000ern und wir fuhren von Bremen nach Osnabrück. Das Teilstück der Autobahn auf dem sich das zutrug wurde von ihm zu Beginn seiner Tätigkeit als Landschaftsarchitekt in den frühen 1970ern entworfen. Irgendwelche meiner Babykleidung oder ersten Spielzeuge wurden sicherlich davon bezahlt. Das war damals etwa 30 Jahre her.

Der Plan entstand auf der Grundlage des Flächennutzungsplans und war die Vorgabe an die umsetzenden Bauunternehmen, die von Land und Bund beauftragt wurden, die Erweiterung der A1 umzusetzen. Die Endphase dieses Bauprojektes erlebte ich noch während ich in den 1990ern von meinem Studienort Osnabrück zu meinen Eltern nach Bremen pendelte.

Mich beeindrucken diese Zeiträumen und Volumina schwer. Das viele Geld, die große Bedeutung, die kaum jemand der Betroffenen wahrnimmt, das alles hat mich bewegt und geprägt.

People overestimate what happens in 2 years.
And they underestimate what happens in 10.

– Bill Gates

Mein Vater denkt in Dimensionen von 3×10 Jahren – einer sog. Generation. Mir wird wohl für immer verborgen bleiben, wie man eine Annahme für einen solchen Zeitraum treffen und mit Überzeugung vertreten kann. Ich tue mich bereits bei 18 Monaten schwer – genau weil ich diese Mechanismen kenne.

Wie sehr ich von all dem beeinflusst bin, erkannte ich erst vor wenigen Tagen durch einen Artikel des SZ-Magazins. Der portraitierte Professor muss ebenfalls damit klarkommen, dass nur sehr wenige verstehen, was er macht. Genau so ging es meinem Vater zeitlebens und mir sehr oft. Einander verstehen ist dermaßen unwahrscheinlich, dass es mich immer wieder tief berührt, wenn es dann tatsächlich doch einmal passiert. Und was daraus entstehen kann beeindruckt schwerwiegend.

Die einen Verstehen, die anderen nehmen hin.

In meiner Jugend wunderte ich mich immer wieder über die Anrufer, die Kontakt zu meiner Mutter suchten und mich am Telefon hatte. Sie erhofften sich Zugang zu ihrer Diplomarbeit. Sie muss irgendetwas von Belang beinhalten. Es geschah zumindest häufiger und ich gewöhnte mich an diese Fragen.

Vor ein paar Jahren erfuhr ich, dass die Gestalter des Leipziger Neuseenlandes u.a. auf ihre Erkenntnisse zurückgriffen als sie die Pläne für die Seen und Autobahnen als Nachfolgelandschaft des Braunkohle-Tagebaus erschufen.

Ich bin sehr froh darüber. Es beschert mir u.a. eine stehende Welle im Kanupark. 30 Minuten Anfahrt sind doch etwas anderes als zum Eisbach oder nach Bispingen. Wobei, … eines davon geht nun auch deutlich schneller als noch 2007.

Apropos ‚schnell’.

Wir kamen an, Thema war ‚Schaf’ und los ging die wilde Fahrt.

Die Kinder kannten sich aus. Aus ‚pur+’ hatten sie gelernt, im Labyrinth immer rechts halten. So findest Du den Ausgang. Für Labyrinthe mag das gelten …

Der eigentliche Clou ist: immer nur zu einer Richtung wechseln. ‚Linksrum’ geht also auch. Ist aber für Kontinental-Europäer kontraintuitiv. Für Ex-Europäer wäre also die Empfehlung besser: “immer links halten”.

Die Umstände waren günstig. Wir waren 4 Personen, allein im Labyrinth und der Mais so niedrig, vertrocknet und verkrüppelt, wie ich noch niemals Mais erlebt habe. Durch die gelbliche Farbe der verdorrten Pflanzen funktionierte die Tarnung der tiefgrünen Stationen nicht mehr. Sie waren nun deutlich zu erkennen.

Wir verteilten uns und sammelten die Antworten u.a. via Smartphone-Foto.

Andere steuerten die Ergebnisse der Fummelboxen zu.

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Nur die Stempel mussten wir mit allen Teilnahmebögen in Präsenz ansteuern.

Nach nur ein mal “verloren gehen” verließen wir das Labyrinth mit ein paar Maiskolben im Gepäck.

Auf dem Rückweg inspizierten die Kinder die Sonnenblumen und erkundeten, wo die Kerne sitzen.
Sohn 1 brach dazu eine Blüte im Querschnitt. Mich erinnerte das an ein Buch über Maria Sybilla Merian und wie sie einst die Tulpen aus dem Nachbarsgarten schnitt, um sie malen zu können.

Wir erinnern uns: das war zu Zeiten des Tulpenfiebers – der ersten reichlich dokumentierten Spekulationsblase der westlichen Welt. Ein Bisschen so als würde man sich heute für die ersten Fahrversuche den 911er des Nachbarn nehmen. Wohl dem der hat …

Am Startpunkt korrigierte die Mutter unserer Kinder die Zettel, während ich ihr von der Wissenstafel Details zurief.

Die Frage zur Antwort 2 konnte man nur geben, wenn man den Text der Wissenstafel bis zum Ende gelesen hat. Für die Voreiligen war hier eine kleine Falle eingebaut. Oh, wie ich das mag!

Aufgrund der Umstände tappte ich genau in diese Falle, weil ich mit der Mutter kommunizierte während ich die Kinder im Blick hatte und auf deren Bedürfnisse einging. Multitasking.

Der freundliche Betreuer empfahl uns, ein wenig weiter zu lesen …

Wir vervollständigten die Bögen, starteten und kamen kurz nach 13:00h zurück zur Wohnung.

Die Kinder wollten LEGO-Bauen bzw. zeichnen. Ich gab ihr das besagte Merian-Buch aus ihrem Regal und bereitete das Mittagessen. Als ich zum Essen rief, sollte ich das Merian-Buch wieder zurückstellen.

Am Nachmittag bat sie mich, es erneut herunterzuholen. Läuft …

Abends regte ich die Kinder noch an, die Maiskörner vom Kolben zu entfernen, damit wir daraus Popcorn machen können. Die etwas langwierige Arbeit wurde dann auch tatsächlich von beiden Kindern an einem Kolben verrichtet. Immerhin hat Sohn 1 das obere Drittel und Tochter die unteren 2 Drittel geerntet.

Der Mais selbst war dann nicht so geeignet. Nur wenige Körner “poppten”. Am Ende waren die meisten verbrannt. Ich wich dann zum Popcorn-Mais aus, den wir für solche und ähnliche Fälle griffbereit haben.

/Erkenntnis

Ungeduld macht die meisten Menschen zu Opfern und nur wenige zu Schülern.

Viele verwenden ihre Energie auf Fleiß. Deshalb nehmen sie sich wenig Zeit.
Immer weiter, immer mehr in kurzer Zeit …

Sie fokussieren darauf, die einzelnen Ausprägungen, die Instanzen einer Idee auswendig zu lernen. Sie hängen ihr Herz an individuelle Sachen. Sie bewahren diese einzelnen Gegenstände vor dem Vergehen und schützen sie vor Verlust.

Kintsugi bewahrt diese Menschen davor, beim Zerbrechen einer Schale gänzlich verrückt zu werden.

Und was passiert, wenn ein Hemd zerreißt?
Dann stehen viele Menschen wiederum am Rande eines Nervenzusammenbruchs.

Nicht so der Japaner. Der hat Sashiko.

Lerne ich jetzt Japanisch?

Nein! Ich habe für mich erkannt, worum es bei Kintsugi, Sashiko und all dem anderen geht, was in Japan so bemerkenswert anders ist als in der sog. westlichen Welt. Wir kommen erst langsam dazu, über ‚Recycling’ und ‚Upcycling’ wieder zurück in das Kreislaufdenken zu gelangen.

Mit einer japanischen Weltsicht begrüßt man das Zerbrechen einer sündhaft teuren Meister-Keramik. Man begrüßt den Riss im Premium-Hemd als Alleinstellungsmerkmal und freut sich darüber, dass das Feuer den Rolls-Royce individualisiert hat.

Viele mögen diese Sicht auf die Welt für verrückt halten.

Ich kann damit großartig umgehen. Während die meisten Menschen ihr Leben damit verbringen, ein richtiges im Falschen zu suchen, geht es mir mit allem ganz prächtig.

In meiner Welt gibt es nur Erfolge – in unterschiedlich großem Ausmaß.

/waswenn?

Viele Menschen suchen verzweifelt nach Stabilität – ohne deren Gründe zu erkennen.

  • Was, wenn sich etwas verändert?
  • Was, wenn etwas anderes gilt?
  • Was, wenn das Prinzip weiter wirkt?

/Wo ist der Punkt?

Hat jemand schon mal darüber nachgedacht, wie unwahrscheinlich es ist, einen Punkt zu treffen?

Je mehr in die Betrachtung mit einfließt, umso schwerer wird es, den einen Punkt zu treffen.

 

 

Muss man denn genau den einen Punkt treffen? Ist es möglicherweise nützlicher das ganze zu sehen anstatt immer weiter zu differenzieren?

Sobald das jemandem klar wird, setzt das erste Verstehen ein, aus dem Wertschätzung für eine Zusammenfassung entspringen kann.

Und je klarer es ist, wie unwahrscheinlich und großartig jeder einzelne Moment ist, desto sorgsamer – aka wertschätzender – kann man damit umgehen.

Es braucht eine Menge Unterschied und ganz viel Gemeinsamkeit, um an diesen Punkt zu kommen. Wenn “alles”, “immer” und “sofort” “ganz anders” sein soll, dann verfehlt man diesen Punkt mit größtmöglicher Wahrscheinlichkeit.

Wenn alles immer gleich bleibt, dann erreicht man diesen Punkt mit absoluter Sicherheit überhaupt nicht.

Leben entspinnt sich dazwischen. Das macht es komplex und immer wieder einzigartig.

/Was mache ich jetzt damit?

Ich kann mit Veränderung umgehen, weil ich mich anpassen kann. Ich habe das gelernt.

Es kommt auf Standort, Fokus und Tiefenschärfe an.

Haltung zeigt sich bspw. in der Komposition eines Bildes, seines Fixierens via Zeichnung, Malerei oder Fotografie, in ihrer Präsentation, dem Verständnis davon und der Lehre daraus.

Statt vieler empfehle ich Rembrandts Nachtwache und Greenaways Doku-Interpretation dazu.

/etc

Blogbeiträge wie dieser sind Verarbeitungsergebnisse von Impulsen, die ich in meinem Alltag erfahre.

Ich nehme sie wahr, auf und verarbeite sie zusammen mit dem, was ich bis dahin gelesen habe. Das ist mein persönlicher, historischer Kontext. Das macht alle anderen genau so wie mich selbst: einzigartig.

Ich verschriftliche die Ergebnisse in dieser Form, die ich “Denkprotokoll” nenne. Ich möchte damit einer Überlastung vorbeugen, die mal jemand mit dem schönen Wort “Lesestau” bezeichnet hat.

Ich speichere deshalb die Denkergebnisse aus, um Platz für Neues zu schaffen.
Wenn mein Verständnis auch anderen zum Verstehen verhilft, dann ist das ein willkommener kollateraler Nutzen.

Was auch immer ich sonst noch für teilenswert erachte, veröffentliche ich hier und anderswo.
Den besten Überblick über alle Fragmente vermittelt mein twitter-Kanal.

/Resonanzraum

Resonanz entschleunigt und verdichtet.

Durch die Reflexion wird das “immer weiter” eines ursprünglichen Impulses unterbrochen, umgelenkt und zurück geworfen. Aus dem Weg, den eine solche Reflexion nimmt, entspinnt sich ein Komplex wie bspw. ein Gewebe aus Wollfäden.

Hier gebe ich zu erkennen, woher dieser Beitrag beeinflusst wurde. Man kann den Faden aufnehmen, mitnehmen und den Weg weiterführen. Kann, muss man nicht …

/Inspiratoren

/Weiterführendes

/Medien

Die Grafiken stammen von mir und dürfen unter Namensnennung weiterverwendet und verändert werden. CC-BY-SA.

Die verwendeten Fotos stammen von mir selbst. Sie sind nicht zur Weiterverbreitung autorisiert.

/lebewohl

Lebe lang, in Frieden und Wohlstand.
Mögen sich alle Bedürfnisse in Realität auflösen.

/berühmteletzteworte

Verläuft Dein Leben im Kreis?

Das Leben verläuft in Kreisläufen. Manche sind größer, andere kleiner.
An Ihrem Ende findet sich kein Ende – nur ein neuer Anfang.

Sprich zu denen, die es angeht. Teile, was Dir wichtig ist.

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