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Out of Story

Es gibt da ein Phänomen, das ich bislang immer elebt habe – egal in welcher Rolle.

/alles neu

Am Anfang war die Erde wüst und leer.

Wenige Milliarden Jahre später stehen da Menschen und erheben Forderungen – Anforderungen.

Diejenigen dieser Forderungen, die genug Gewicht in die Wagschale bringen werden zum Ursprung eines Projekts. Der Inhalt der Wagschale wird skizziert und einem Helden in Spe zur Verwirklichung übergeben.

So oder so ähnlich fangen die Entwicklungen an, die meine Erfahrungen prägen.

Es soll auch Umgebungen geben, da gibt es nur ‚Produkt’. Dieses ‚Produkt’ entsteht ständig. Es gibt keine Trennung zwischen Entwicklung und Herstellung. Ich hörte davon.

Ich kann es mir auch vorstellen. Es ist bestimmt möglich, sagen wir einmal, eine Suchmaschine zu betreiben und von einem Moment auf den anderen eine andere Oberfläche auszuspielen oder die Ergebnisse der Datenbankabfragen anders aufzubereiten. Das kann ich mir schon vorstellen.
Ich habe es nur noch nie erlebt.

In meiner Welt gibt es: Idee, Konzept, Anwendung, Nutzen, Anpassung.

Zwischen Idee und Nutzen liegen mindestens 12, oftmals 18 bis 24, manchmal auch 36 Monate. Es kommt drauf an …

Da hat also nun jemand eine Idee und es findet sich jemand, der die Verantwortung für deren Umsetzung inne hat. Wie das eine zum anderen führt ist Organisationsentwicklung und soll hier außen vor bleiben.

Wenn man etwas erschaffen möchte, von dem man weiß, wie es geht, dann ist bspw. ein Plan eine wunderbare Möglichkeit, sich zu orientieren. Man kann eine Blaupause, ein Template, eine modulare Konstruktion hernehmen und am Zielort “ausrollen”. Beide Seiten (Errichter und Bauherr) wissen in etwa was ein ‚Haus’ oder eine ‚Werkhalle’ ist. Man muss dann nur noch Abhaken, ob man an “alles” gedacht hat.

Das Durchgehen von Checklisten hilft, um einen Gesprächsanlass zu nutzen und Vorstellungen auszutauschen. Wenn es dann noch Streit gibt, dann eher darüber, dass “Malve” mehr gräulich ist als “Lavendel” und viel dunkler als “Flieder”.

Auch diese Phänomene sind mir bekannt. Das ist zwar ähnlich, aber doch deutlich anders als das, worum es hier geht.

So kann es nicht weitergehen!

An diesem Punkt komme ich ins Spiel. Wenn irgendetwas, irgendwie, ganz anders und dabei doch weitestgehend gleich bleiben soll, dann findet man mich.
Früher oder später.

Vor etwa 15 Jahren war es der Moment am Ende des Budgets, wenn es offensichtlich wurde, dass man nichts vorzeigen kann. Heute existiert oft mehr vom Kuchen, wenn ich eintreffe. Manchmal darf ich bereits Empfehlungen über die Zutaten abgegeben.

Die ersten fangen an, mit mir herauszufinden, ob überhaupt und wenn ja, wie sie etwas tun sollten.

Woran liegt das?

Niemand in meinem Umfeld ist blöd. Ich habe es mit Menschen zu tun, die einen erheblichen Entwicklungsprozess hinter sich gebracht haben. Die meisten sind zwischen 30 und 50 Jahre alt. Viele haben studiert, so manch einer promoviert. Alle sind in irgendeiner Form ‚Leader’. Die meisten wissen es nur nicht oder gestehen es sich nicht zu. Selbst Führungskräfte treten mir gegenüber manchmal auf wie Kinder, die fragen, ob sie einmal das Fenster öffnen dürfen, um hinauszusehen.

Selbstverständlich darf jeder das Fenster öffnen. Jeder darf sich hinauslehnen und schauen. Und jeder passt bitte auf seine Mitmenschen auf, dass sie sich nicht zu weit hinaus lehnen und dadurch herunterfallen.

In der Theorie macht es keinen Unterschied
– in der Praxis schon.

Dumm nur, dass die wenigsten Vorhaben als genau das wahrgenommen werden, was sie sind:
eine Sache, womit man durch Wände schauen kann.

Und so kommt es dann. Es wird ‚agile’ ins Gespräch gebracht und plötzlich muss alles ganz anders gemacht werden. Der Bauherr beauftragt das Bauunternehmen etwas vollkommen anderes zu errichten, mit dem “alles”, “immer”, “sofort” und deshalb viel besser werden wird.

Der Projektleiter bleibt Kapitän zur See, heißt jetzt “PO” und für den reibungslosen Ablauf an Bord ist dann der XO zuständig. Der heißt jetzt Scrum Master und ist “second in command”. Für die Mannschaften ändert sich nicht viel – außer …

Der Pott wird kleiner. Anstatt des 400-Mann-Projekttankers agiert man jetzt in Schnellbootgröße. Deshalb hat man auch kein Problem damit, jeden bisherigen Projektleiter zum Kommandanten zu machen. Ist ja nur ein Schiff, das wir riskieren. Die Admiralität ist weit weg. Die versteht das schon. Wo gehobelt wird …

Die Mannschaften bekommen endlich ordentliche Ausrüstung. Mit Boards bewaffnet und Haftnotizen aufmunitioniert ziehen sie in die Schlacht um den Marktanteil im Südpazifik. Hin und wieder steigt jemand auf einen Turm und wenig später landen die Vogelgötter. Sie lassen Obst, Wasserflaschen und Klebezettel für die Menschen zurück.

Das Leben ist schön.

/#läuft

Flieger malen Streifen in das Blau!*

Wir treffen uns mindestens ein Mal am Tag, sind nett zueinander, essen Obst, trinken Wasser und alle zwei Wochen steigt dieser lustige Typ, der so gut reden kann auf den Turm da vorne. Dann reden wir noch kurz über unser schönstes und dööffstes Erlebnis und dann gibt es wieder neue Klebezettel.

Manchmal müssen wir die Klebezettel auch an ein oder zwei neue Leute verteilen.
Oder einer hat keine Lust mehr auf Obst und will auf die Schokoinsel zurück.

Die Verträge sind verlängert. Die neuen haben 3 Monate lang gezeigt, dass sie die Klebezettel richtig verwenden können. Manche sind auch etwas nervig.
Die wollen wissen, wieviel Obst jeder bekommt und was auf den Klebezetteln draufstehen soll.

Irgendwie wird es dann anders. Die Sonne scheint nicht mehr so oft.
“Hinter’m Haus ziehn Wolken auf.”*

Der Kicker verwaist immer länger. Wir sind nicht mehr jeden Tag so lieb miteinander. Manche wollen auch gar nicht mehr sehen, wann die Vogelgötter kommen. Es gibt immer weniger Klebezettel. Nur nicht an den Boards. Da wird’s irgendwie voll. Es kommt mehr dazu und es geht kaum etwas weg.

Das Obst bleibt liegen und das Wasser wird knapper. Komisch.

/dann passiert’s

Das Phänomen, das dann eintritt kann es “eigentlich” gar nicht geben.

Keine weiteren Anforderungen?
Niemand will eine Veränderung?
Alles soll so bleiben wie es ist?

Das widerspricht so vollkommen aller bisheriger Lebenserfahrung, dass es eigentlich nicht sein kann.

Möglicherweise ist das der Grund, warum es so selten thematisiert wird.

Es kann nicht sein, was nicht sein darf:

Arbeit ist aus.

Das Backlog ist übersät mit Leichen und keiner kann etwas machen.

Oder doch? Eigentlich weiß jeder sofort, was zu tun ist, würde man denn nur …
Genau hier fängt es an spannend zu werden.

Jetzt braucht es jemanden mit Zauberkräften. Manche haben bereits einen Zauberstab dabei.

Ich vollführe den VUCA-Dance:

  • Visualize
  • Unite
  • Create
  • Adapt!

An diesem Punkt setzte ich auf die Kraft der vielen.
Ich biete dieses Thema als Workshop im Rahmen der ‚Modern RE 2018‘ an.

Wie kam es dazu?

Ich bin der Auffassung, der RE-Anteil an der PO-Rolle wird in den meisten Umgebungen grundlegend unterschätzt. Manchmal wird er auch gar nicht gesehen – blinder Fleck.

Als ehemalige Führungskraft weiß ‚man’ dann halt ‚irgendwie’ schon ‚was’ gemacht werden soll.

‚Vision’? Danke, wir brauchen keinen Arzt.
‚Nutzer’? Irrelevant. Wir haben Kunden.
,Führung’? Machen wir nicht mehr. Wir setzen jetzt auf ‚agile’.

Das ist die Ausgangslage, wie ich sie bisher überall – in unterschiedlichen Ausprägungen – vorgefunden habe. Und jedes Mal kam es zu dem Phänomen ‚Out-of-Story’.

/was tun?

Weil bisher (fast) niemand mir gegenüber zugab, dieses Phänomen zu kennen oder zumindest mithilfe meiner Beschreibung wieder zu erkennen, war ich mir lange nicht sicher.

Ist das jetzt ein Defizit bei mir?

Das war der Zustand als im Frühjahr der Call for Papers zur Modern RE bei mir eintraf.
Ich umriss das Phänomen kurz und teilte meine Befürchtungen mit.

Ich nahm an, Thema und Format würden nicht zur Konferenz und ihrem Format passen.

Stattdessen bekam ich einen eigenen Session-Track.
Mitten in der Mitte.
Das ist da wo beim ‚Hockeystick’ der Break-Even sitzt. Es ist die Wegmarke am Ausgang des ‚Tals der Tränen’. Das ist der Punkt, an dem es zum ersten Mal besser ist als zu Beginn des Unterfangens.

In Berlin ist das: Am Mittwoch, 26. September 2018.
Nach der Mittagspause – in der Zeit von 13:30 bis 15:10 – lassen wir den Puls steigen.

Passt für mich.

/etc

Blogbeiträge wie dieser sind Verarbeitungsergebnisse von Impulsen, die ich in meinem Alltag erfahre.

Ich nehme sie wahr, auf und verarbeite sie zusammen mit dem, was ich bis dahin gelesen habe. Das ist mein persönlicher, historischer Kontext. Dieser Kontext macht alle genau so wie mich selbst: einzigartig.

Ich verschriftliche die Ergebnisse in dieser Form, die ich “Denkprotokoll” nenne. Ich möchte damit einer Überlastung vorbeugen, die mal jemand mit dem schönen Wort “Lesestau” bezeichnet hat.

Ich speichere deshalb Denkergebnisse aus, um Platz für Neues zu schaffen.
Wenn mein Verständnis auch anderen zum Verstehen verhilft, dann ist das ein willkommener kollateraler Zusatznutzen.

Was auch immer ich sonst noch für teilenswert erachte, veröffentliche ich hier und anderswo. Den besten Überblick über alle Fragmente vermittelt mein twitter-Kanal.

/Resonanzraum

Resonanz begrenzt die Ausbreitung, bremst ein und lenkt um.
Resonanz entschleunigt und verdichtet dadurch.
Resonanz ermöglicht zu unterscheiden und gibt Wellen dadurch Form durch Kontur.

Hier gebe ich zu erkennen, woher dieser Beitrag beeinflusst wurde und wohin er führen kann.

/Inspiratoren

Dieses Mal gibt es leider keine Erwähnung für irgendjemanden. Ich hätte gern meine Kollegen in den jeweiligen Umgebungen als Inspiratoren erwähnt. Allerdings waren sie es nicht. Das Feststellen, sichtbar machen und Gegenmaßnahmen einleiten lag allein bei mir.

Niemand hat mich auf dieses Phänomen aufmerksam gemacht und niemand hat mir gegenüber bisher die Existenz des Phänomens anerkannt. Warum?

Ich kann nur mutmaßen. Ich schwanke zwischen selbstschützender Ignoranz und mangelnder Erfahrung.
Die sehr erfahrenen Kollegen halten das möglicherweise für einen erforderlichen Schmerz, um dadurch eine Lernherausforderung wahrzunehmen.

Ich gehe da anders vor. Alle meine Kinder haben bisher verstanden, dass sie ihre Finger aus dem Türrahmen fernhalten müssen und nicht auf Herdplatten fassen sollten. Eine Internet-Bilder-Suche nach den Folgen von schlechtem Zähneputzen wirkt sehr hilfreich. Erst die volle Palette, dann genügt die erste Seite als Erinnerung. Ab dem dritten Mal muss man nur noch die Bilder erwähnen.

So geht es auch.

/Weiterführendes

/Medien

Das Feature-Foto “Community Taskboard ” wurde über Levent Ali veröffentlicht und ist lizenziert gemäß CC BY-ND.

Scrumban-Flow” wurde von Yuval Yeret veröffentlicht und ist lizenziert gemäß CC BY-SA-NC

Die übrigen Grafiken stammen von mir und dürfen unter Namensnennung weiterverwendet und verändert werden. CC-BY-SA.

/lebewohl

Lebe lang, in Frieden und Wohlstand.
Mögen sich alle Bedürfnisse in Realität auflösen.

/berühmteletzteworte

Verläuft Dein Leben im Kreis?

Das Leben verläuft in Kreisläufen. Manche sind größer, andere kleiner.
An Ihrem Ende findet sich kein Ende – nur ein neuer Anfang.

Sprich zu denen, die es angeht. Teile, was Dir wichtig ist.

2 thoughts on “Out of Story Leave a comment

  1. RE wird nicht nur in der PO Rolle unterschätzt sondern durch die Bank. Das liegt zum einen daran, dass RE als sehr schwerfällig und verkopft daher kommt.

    Zum anderen braucht es einiges an Soft Skills (Kommunikation, Empathie, ….). Das wird oft nicht ausreichend gewürdigt und trainiert.

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